Paris.

Gegen IWF-Chefin Christine Lagarde wird ermittelt. Sie soll ihr früheres Amt als Wirtschafts- und Finanzministerin Frankreichs missbraucht haben. - © APAweb / EPA / OLIVIER HOSLET
Gegen IWF-Chefin Christine Lagarde wird ermittelt. Sie soll ihr früheres Amt als Wirtschafts- und Finanzministerin Frankreichs missbraucht haben. - © APAweb / EPA / OLIVIER HOSLET
Das kann Christine Lagarde wohl nicht auf ihre professionell-charmante Art weglächeln: Am Donnerstag entschied der französische Gerichtshof, ein Ermittlungsverfahren gegen die neue Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF) einzuleiten. Verdächtigt wird sie der Veruntreuung öffentlichen Geldes rund um eine üppige Entschädigungszahlung an den Geschäftsmann Bernard Tapie aus der Staatskasse im Juli 2008. Die Staatsanwaltschaft hatte Lagarde auf Betreiben sozialistischer Abgeordneter Amtsmissbrauch vorgeworfen.

Die Affäre Bernard Tapie


Dennoch hatte sich die 55-jährige konservative Politikerin um den IWF-Chefposten beworben und stets betont, im öffentlichen Interesse gehandelt zu haben. Sie erweckte den Eindruck, juristischen Schritten gelassen entgegen zu sehen.

Bei dem Verfahren geht es um die umstrittene Entscheidung eines von Lagarde beauftragten Schiedsgerichtes, das dem Dauerstreit mit dem Unternehmer Tapie ein Ende setzen sollte. Der Hintergrund: 1993 hatte Tapie, der die Mehrheit am deutschen Sportartikelhersteller Adidas hielt, die damals noch staatliche Bank Crédit Lyonnais mit deren Verkauf beauftragt. Die Bank prellte ihn, indem sie das Unternehmen über Zwischengeschäfte selbst zu einem Niedrigpreis erwarb, um es zwei Jahre später gewinnbringend zu verkaufen. Bernard Tapie zog in einen zähen Justizkampf.

Das Schiedsgericht sprach Tapie schließlich eine Entschädigung in Höhe von 285 Millionen Euro zu, mit Zinsen sogar fast 400 Millionen Euro. Lagarde schlug den Rat aus ihrem Ministerium aus, in Berufung zu gehen, obwohl die Entschädigungssumme auf maximal 50 Millionen Euro geschätzt worden war. Die Opposition wittert Klüngeleien mit dem Sarkozy-Vertrauten Tapie. Viele sind überzeugt, dass die Entscheidung ohnehin nicht auf Lagarde zurückgeht, sondern auf Nicolas Sarkozy, den der einstige Medienunternehmer und Fernsehstar Tapie im Wahlkampf unterstützt hatte. Lagardes Arbeit im IWF werde durch das Verfahren nicht beeinträchtigt, hieß es.