Helsinki. Vom Giganten zum Sorgenkind: Der Niedergang des finnischen Handy-Herstellers Nokia schreitet weiter voran. Der derzeit noch weltgrößte Mobilfunkproduzent musste erneut Marktanteile abgeben. Gehetzt von der Konkurrenz technisch überlegener Smartphone-Anbieter und billiger chinesischer Handymodelle fiel Nokias Marktanteil dem Marktfoschungsunternehmen Gartner zufolge auf überschaubare 22,8 Prozent - nachdem noch vor wenigen Jahren fast jedes zweite Handy aus der finnischen Schmiede geliefert wurde. Und das enttäuschende Erbe einer ruhmreichen Vergangenheit ist nicht Nokias einzige Sorge: Die Zukunft könnte weitere Probleme bereithalten.

Speziell für den Niedergang von Nokia verantwortlich ist der Vormarsch der Smartphones, bei denen der langjährige Weltmarktführer den Anschluss an Rivalen wie Apple oder Google verloren hat. Der Smartphone-Absatz schoss im Jahresvergleich um 74 Prozent auf knapp 108 Millionen Geräte hoch, wie Gartner errechnete. Damit sei bereits jedes vierte aktuell ausgelieferte Handy ein Smartphone. Vor einem Jahr lag dieser Anteil erst bei 17 Prozent.

Kampf der Plattformen
Der Wettbewerb auf dem Smartphone-Markt ist dabei mehr ein Kampf von Plattformen als von einzelnen Herstellern. Die Spitzenposition erklomm das Google-Betriebssystem Android, mit einem Marktanteil von 43,4 Prozent - nach nur 17,2 Prozent vor einem Jahr.  Nokias Symbian-System brach in dieser Zeit von 40,9 auf 22,1 Prozent ein. Der Konzern beschloss im Februar, gänzlich auf Microsofts Betriebssystem Windows zu setzen, erste Geräte aus dieser Partnerschaft kommen allerdings nicht vor Ende des Jahres auf den Markt. Ob Nokias Entscheidung für Microsofts Betriebssystem glücklich war, steht indes noch in den Sternen: Smartphones mit Windows-Systemen fielen laut Gartner auf einen Marktanteil von 1,6 Prozent zurück - nach 4,9 Prozent vor einem Jahr.

Und am globalen Handymarkt spürt Nokia bereits den Atem des Verfolgers Samsung im Nacken: Der zweitgrößte Handy-Produzent der verfügt über einen Marktanteil von 16,3 Prozent, gefolgt von LG mit 5,7 Prozent.

Dank dem Verkauf von neun Millionen Geräten behauptet Nokia zwar noch die Nummer eins. Doch "diese Performance wird sich im nächsten Quartal nicht wiederholen", gibt Roberta Cozza vom Marktforscher Gartner zu bedenken. Denn Nokias Angebot im Smartphonebereich sei "ziemlich mager". Und bis Nokia mit seinen Microsoft-Smartphones auf den Markt kommt, werden noch mehrere Monat ins Land ziehen. "Eine lange Zeit für diese Branche", wie Cozza betont. Vielleicht zu lange, wenn man bereits einem davonbrausenden Zug hinterher läuft.