Budapest. Der ungarische Notenbankgouverneur Andras Simor macht auf Schönwetter: Die Bankenstresstests im April hätten gezeigt, dass die inländischen Kreditinstitute sehr wohl fähig seien, auch eine deutliche Stärkung des Schweizer Franken abzufedern, betonte er. An dieser Einschätzung habe sich auch in den vergangenen Monaten nichts geändert, da man im Frühjahr schon von einem rasanten Höhenflug des Franken ausgegangen sei. Bei dem Stresstest war überprüft worden, ob die Banken einen Wechselkurs von 245 Forint je Franken am Ende dieses Jahres und 257 Forint je Franken Ende 2012 bewältigen könnten. Aus Sicht von Beobachtern in Budapest ist Simors Einschätzung viel zu optimistisch. Kein Bankensystem der Welt sei für eine Herausforderung wie den aktuellen Höhenflug des Franken auch nur annähernd gerüstet. Der Franken hat seit 2008 zum Forint um gut 40 Prozent an Wert zugelegt.

Lange Gesichter bei Hypothekenschuldnern

Simor bleibt jedoch kaum etwas anderes, als zumindest den Versuch zu unternehmen, für eine bessere Stimmung im Lande zu sorgen. Die Gesichter der ungarischen Hypothekenschuldner werden angesichts eines immer stärkeren Frankens immer länger. Rund 70 Prozent der Kreditnehmer müssen Schulden in Fremdwährung tilgen, die meisten davon ausgerechnet in Franken. Nach Angaben der ungarischen Notenbank war Ende Juli ein knappes Fünftel der Immobilienkredite in Fremdwährungen notleidend. Konkret waren 142.000 Schuldner mehr als 90 Tage bei der Tilgung eines Kredits im Verzug, davon hatten 123.000 Schuldner Zahlungsverpflichtungen in Fremdwährung. Weitere 301.000 Kreditschuldner waren weniger als drei Monate im Zahlungsverzug, davon hatten 262.000 auf Fremdwährung lautende Kredite.

Seit 2005 haben die Ungarn verstärkt Kredite in Franken aufgenommen, damals zahlten sie im Schnitt 150 bis 160 Forint. Am Freitag lag der Wechselkurs bei 251 Forint je Franken. Allein im Zuge des jüngsten Frankenhöhenflugs sind der Erste Bank zufolge auf ungarische Hypothekenschuldner Mehrbelastungen zugekommen, die dem Wert eines Kleinwagens entsprechen.

Wegen der starken schweizerischen Währung stehen nicht nur Privatleute unter Druck. Vor kurzem appellierten die Regierungen der Komitate an Regierungschef Viktor Orban, er möge sich bei den Banken dafür einsetzen, dass diese ihnen auf ausländische Währungen lautende Kredite zumindest für ein Jahr stunden. Das Gesamtvolumen der Forderungen liegt bei umgerechnet 2,2 Milliarden Euro.