Zürich. (kle/ag) Die Schweizerische Nationalbank (SNB) zieht in ihrem Kampf gegen den starken Franken die Schraube weiter an und pumpt abermals massiv Liquidität in den Geldmarkt - vorerst aber mit fraglichem Erfolg. Trotz der jüngsten Abwertung hält die Notenbank die Schweizer Währung nach wie vor für deutlich überbewertet.

Deshalb erleichterte sie am Mittwoch zum dritten Mal in diesem Monat die Geldbeschaffung für Banken. Der Devisenmarkt reagierte darauf aber nicht wie erhofft: Euro und Dollar verbilligten sich gegenüber dem Franken markant. Die Investoren seien enttäuscht, dass die SNB keine Wechselkursanbindung bekanntgegeben habe, sagten Analysten.

Ein Euro war am Mittwoch für 1,1296 Franken zu haben, ein Dollar für 0,7846 Franken. Vor den Ankündigungen der SNB hatte die europäische Gemeinschaftswährung aber noch bei Kursen um 1,15 Franken notiert, der Greenback bei 0,80 Franken. "Wie man der Reaktion im Euro/Franken entnehmen kann, ist der Markt von der fehlenden Intervention der SNB enttäuscht", sagte Mark Mitchell von Informa Global Markets. Wesentlich radikalere Maßnahmen seien erwartet worden - beispielsweise ein fester Wechselkurs.

Krieg der Währungen


Zuvor hatte sich nach Aussagen von Direktoriumsmitgliedern der SNB die Erwartungshaltung aufgebaut, die Notenbank würde eine vorübergehende Anbindung des Franken an den Euro anstreben. Auch die stimmenstärkste politische Partei in der Schweiz, die nationalkonservative SVP, hatte mit Blick auf die für die Wirtschaft des Landes immer bedrohlicher werdende Franken-Stärke zuletzt eine Kehrtwende in dieser Frage vollzogen. Deren Vordenker Christoph Blocher sprach von einem Währungskrieg, in dem alle Mittel eingesetzt werden müssten: Eine Währungsanbindung würde der unter dem starken Franken stöhnenden Exportindustrie und dem Tourismus das Leben leichter machen, auch wenn die SNB dafür immense Buchverluste riskieren müsste.

Ein Kraftakt wäre freilich notwendig: Um ein einmal gesetztes Kursziel zu verteidigen, müsste die Schweizerische Nationalbank am Devisenmarkt mit Hunderten von Milliarden Franken intervenieren. Vorerst ist es damit allerdings noch nicht so weit.

Die SNB bekräftigte am Mittwoch zwar, dass sie bei Bedarf weitere Maßnahmen gegen die Frankenstärke ergreifen wird. Zunächst aber strebt sie ab sofort einen Anstieg der Giroguthaben der Banken von 120 auf 200 Milliarden Franken an. Dabei will die Notenbank wie bisher Bills (Wertpapiere, die sie begeben hat) zurückkaufen und sogenannte Devisenswap-Geschäfte tätigen, um den neuen Zielwert so schnell wie möglich zu erreichen.

Erst Anfang August, als der Kurs des Euro auf nahezu einen Franken gesunken war, hatte die SNB eine erste Ausweitung der Liquidität beschlossen. Zunächst setzte sie sich eine Erhöhung der Giroguthaben der Banken auf 80 Milliarden Franken zum Ziel, kurz danach hob sie die Grenze auf 120 Milliarden an.