Zürich. Des einen Freud, des anderen Leid: Kaum ein anderes Sprichwort spiegelt die derzeitige Situation rund um den Schweizer Franken so gut wider. Während nämlich die Eidgenossen unter ihrer starken Währung - aktuell kostet ein Franken rund 83 Cent - stöhnen, reiben sich die Österreicher die Hände und wittern Exportchancen bei Nahrungsmitteln. "Für Lebensmittelexporte ist der Zeitpunkt ideal", meint Landwirtschaftsminister Nikolaus Berlakovich. "Der starke Franken ist ein Turbo." Aber auch in Zeiten, als der Franken noch nicht so stark war, hat die heimische Lebensmittelindustrie bereits gute Geschäfte mit dem westlichen Nachbarn gemacht. Mit Exporten von 188 Millionen Euro im vergangenen Jahr war die Schweiz nach Deutschland, Italien und den USA das viertwichtigste Exportland der österreichischen Lebensmittelhersteller.

Gefragt sind laut Berlakovich dabei vor allem hochwertige Produkte. Das bestätigt Josef Domschitz vom Fachverband der Lebensmittelindustrie in der Wirtschaftskammer Österreich. Domschitz räumt aber ein, dass eher Nischenprodukte gefragt seien, denn: "Massenprodukte haben keine Chance." Als Beispiele für Exportschlager führt er den Energy-Drink Red Bull und Produkte von Manner und Ölz an. Gut verkaufen würden sich in der Schweiz aber auch Wein, Marmelade und Wildfleisch. Letzteres gehe vor allem deshalb gut, weil die Eidgenossen für diese Fleischsorte kein Kontingent wie etwa für Rind- oder Schweinefleisch vergeben.

Schweiz-Produkte teuer

Heuer dürfte der Höhenflug des Franken aber noch keine allzu große Wirkung auf Österreichs Lebensmittelexporte haben, sagt Domschitz unter Berufung auf Experten. Die Folgen des Währungsaufschwungs dürften sich demnach erst 2012 zeigen, da man jetzt erst über den Markteintritt verhandle. Angesichts der Auslistung teurer Schweizer Produkte aus den Supermärkten hätten Österreichs Firmen gute Chancen, Fuß zu fassen.

Profiteure der Franken-Stärke sind aber nicht nur die heimischen Lebensmittelhersteller, sondern auch jene Vorarlberger Gemeinden, die unmittelbar an der Grenze liegen. Vor allem die Einkaufsmeilen von Dornbirn und Hohenems würden von den Schweizern gestürmt, heißt es bei der Wirtschaftskammer Vorarlberg. Sie schätzt, dass die Eidgenossen heuer 60 Millionen Euro im Ländle ausgeben werden - um 20 Prozent mehr als 2010. Von den Schweizer Shopping-Touristen würden primär Lebensmittel eingekauft. "Wir wissen, dass viele da sind, die ihre Einkaufswagen vollpacken", so die Kammer. Teilweise komme es sogar vor, dass eine Familie mit zwei bis drei Wagerln den Supermarkt verlässt. Angesichts von 2,8 Franken (2,36 Euro) für ein halbes Kilo Nudeln oder 3,5 Franken für ein kleines Glas Pesto eines Markenherstellers (gesehen in einem Züricher Supermarkt) überrascht das nicht.

Laut Wirtschaftskammer Vorarlberg betragen die Preisunterschiede 20 bis 40 Prozent. Bei einigen Produkten seien es sogar 50 Prozent, sagt Burkhart Dünser, Chef des Messeparks Dornbirn. Denn neben dem schwachen Euro gebe es noch den Vorteil der Umsatzsteuer-Rückerstattung.

Die hohen Lebensmittelpreise in der Schweiz sind aber nur bedingt auf den aktuell starken Franken zurückzuführen. Zum Teil seien die Probleme auch hausgemacht, sagt der Schweizer Landwirtschaftsminister Johann Schneider Ammann. Die Produzenten-, sprich Bauernpreise seien im internationalen Vergleich nämlich "immer noch hoch."