Die neue Eigentümerin der Volksbank International: Das russische Staatsunternehmen Sberbank. - © APAweb/EPA/Sergei Chirikov
Die neue Eigentümerin der Volksbank International: Das russische Staatsunternehmen Sberbank. - © APAweb/EPA/Sergei Chirikov

Wien. Monatelang wurde zwischen Wien und Moskau gerungen, nun liegt das Ergebnis vor: Die österreichischen Volksbanken (ÖVAG) verkaufen ihre Osteuropatochter Volksbank International (VBI) an die staatsnahe russische Sberbank. Die Verträge wurden in Wien unterzeichnet, der Abschluss soll bis Mitte Februar nächsten Jahres erfolgen.

Der Verkauf der VBI bringt der ÖVAG zwar keinen Buchgewinn in der Bilanz, verbessert aber ihre Kapitalquoten und macht bisher in der VBI gebundene Geldmittel wieder frei. Mehr als das in der VBI gebundene Eigenkapital kommt durch den Mindest-Kaufpreis von 585 Mio. Euro nicht herein. Weil aber mit der gleichzeitigen Abgabe von Krediten und Risiken insgesamt weniger Eigenkapital vorzuhalten ist, bessert sich automatisch die Kernkapitalquote der ÖVAG um 2 Prozentpunkte - ohne dass frisches Kapital zufließt. Laut ÖVAG stärkt der Deal die Eigenmittelposition um 300 Mio. Euro.

  Die Wiener Bank wird infolge des Verkaufs des Ostbankengeschäfts aber auch "flüssiger". Durch die gleichzeitige Übernahme von Finanzmitteln in Höhe von 2,5 Mrd. Euro, die die ÖVAG und die beiden anderen VBI-Mitgesellschafter DZ Bank/WGZ Bank und die französischen Volksbankengruppe BPCE der VBI zur Verfügung gestellt haben, fließen an die ÖVAG anteilsmäßig 1,25 Mrd. Euro zurück. Ein Teil davon - 500 Mio. Euro - werden der Sberbank wieder als Kreditlinie auf fünf Jahre zur Verfügung gestellt - gewinnbringend und zu guten Konditionen, wie es aus der Bank heißt. In Summe muss die Sberbank für die VBI - exklusive Rumänientochter - also 3,1 Mrd. Euro aufwenden.

Sberbank drängt auf europäischen Markt
  Mit dem Kauf der VBI will sich die größte russische Bank zu einem ernstzunehmenden Mitbewerber in Mittel- und Osteuropa entwickeln. Für die österreichischen Player - allen voran Erste Group, Raiffeisen und Bank Austria/UniCredit - entsteht somit ein neuer Konkurrent.

  Er habe die VBI nicht mit der Absicht gekauft, schnelle Gewinne zu machen, betonte Sberbank-Chef Herman Gref am Donnerstag in Wien auf einer Pressekonferenz. Man sei vielmehr nach Mittel- und Osteuropa gekommen, um hier die nächsten Jahrzehnte zu bleiben.

  Bisher war die Sberbank in Europa nur in der Ukraine und Weißrussland vertreten. Sehr interessiert zeigte sich Gref noch an der Türkei und Polen. Für konkrete Käufe sei es aber noch zu früh. Für Rumänien, wo die örtliche VBI-Tochter von der Sberbank nicht mitübernommen wurde, gebe es hingegen keine Pläne. In der Ukraine sollen die Töchter von Sberbank und VBI in den kommenden Jahren zusammengelegt werden. Gref geht davon aus, dass der gesamte Bankensektor in den CEE-Ländern in zehn Jahren doppelt soviel Gewinn abwerfen wird wie die russischen Banken.

"Meilenstein der Strategie"
  ÖVAG-Chef Gerald Wenzel bezeichnete den Verkauf als einen Meilenstein der Strategie, sich aus den CEE-Ländern zurückzuziehen. Das Ergebnis sei "herzeigbar" und eine Sicherung für die Zukunft. Weitere Verkäufe von Beteiligungen würden "nach Maßgabe unserer Möglichkeiten und Marktchancen" vorgenommen werden. Erst in zwei bis drei Jahren abgestoßen werde die Rumänien-Tochter.

  Mit Geld zur Finanzierung des Zukaufs sei die Bank ausreichend versorgt. "Unsere Liquidität ist in Ordnung, sowohl was den Rubel, Dollar und Euro betrifft", so Gref. "Wir verwalten unsere eigenen Gewinne". In den ersten sieben Monaten habe die Sberbank 200 Mrd. Rubel - umgerechnet rund 5 Mrd. Euro - verdient. Die Russen zahlen für die VBI (ohne Rumänien) einen Preis zwischen 585 Mio. und 645 Mio. Euro - abhängig von der Geschäftsentwicklung der VBI-Gruppe im laufenden Jahr 2011. Das Closing soll spätestens am 15. Februar 2012 erfolgen.

  Das von der Sberbank erworbene Banken-Netzwerk besteht aus neun Banken in acht Ländern: Slowakei, Tschechien, Ungarn, Slowenien, Kroatien, Bosnien-Herzegowina, Serbien und Ukraine. Per 30. Juni 2011 hatten die neun VBI-Banken über 291 Filialen und beschäftigten 3.993 Leute.