Zürich. (rb/reu) Die Großbank UBS kommt nicht zur Ruhe: Das größte Schweizer Geldhaus hat nach der Finanzkrise, dem Steuerstreit mit den USA und einem schwachen zweiten Quartal nun einen milliardenschweren Spekulationsskandal am Hals.

Das "nicht autorisierte Vorgehen eines Händlers" dürfte einen Handelsverlust von schätzungsweise umgerechnet 1,5 Milliarden Euro verursacht haben, erklärte die UBS am Donnerstag. Der Betrug war am Mittwochnachmittag entdeckt worden.

Bei dem mutmaßlichen Betrüger handle es sich offenbar um einen 31-Jährigen aus Ghana, der im Bereich Investmentbanking tätig war, melden die Online-Ausgaben der britischen Tageszeitungen "The Guardian" und "Daily Mail". Der Mann habe kriminelle Energie an den Tag gelegt, wie es eine Sprecherin der Bank formulierte. Kunden der UBS seien von dem Vorfall nicht betroffen, die Untersuchung dauere noch an.

Rote Zahlen im dritten Quartal möglich

In der Finanzgeschichte hat der UBS-Betrüger einen prominenten Vorgänger: Der Franzose Jerome Kerviel wurde im Oktober 2010 wegen Veruntreuung, Fälschung und betrügerischer Manipulation zu fünf Jahren Haft und fast fünf Milliarden Euro Schadenersatz verurteilt, nachdem er die französische Bank Societe Generale Anfang 2008 an den Rand des Ruins getrieben hatte.

Aufgrund des Vorfalls bei der UBS schließt diese nicht aus, dass sie im dritten Quartal Verluste schreibt. Bisher wurde mit einem Quartalsgewinn von 1,1 Milliarden Franken (914 Millionen Euro) und einem Jahresgewinn von gut 5 Milliarden Franken gerechnet.

Jenseits der finanziellen Folgen schadet die Affäre nach Ansicht von Analysten vor allem dem Ruf der Bank, die sich eben erst von den Folgen der Finanzkrise und vom Steuerstreit mit den USA erholt hat.

UBS-Konzernchef Oswald Grübel war mit dem erklärten Ziel angetreten, Vertrauen zurückzugewinnen. "Auch wenn die Summe nicht so hoch ist - das ist einmal mehr ein Vertrauensverlust und wirft ein sehr schlechtes Licht auf die UBS", sagt ein Analyst der Zürcher Kantonalbank.

Nach Ansicht eines anderen Experten dürfte wegen des aktuellen Vorfalls weniger Grübel unter Beschuss kommen als vielmehr Carsten Kengeter, der Chef der Investmentbank-Sparte, da der UBS-Chef die Bank nach der Finanzkrise gerettet und seinen Job weitgehend erledigt habe.

Pikant dabei: Der Verlust durch die "nicht autorisierten" Geschäfte entspricht genau jenen zwei Milliarden Dollar, die die Bank unter anderem durch Jobabbau in der Investmentsparte einsparen wollte. Nach einem Gewinneinbruch im zweiten Quartal will die UBS etwa 3500 Stellen streichen. Durch den Verlust ist der Spareffekt nun erst einmal gleich null.

Analyst erwartet, dass Köpfe rollen werden

Spartenchef Kengeter hatte das Investmentbanking nach den Milliardenverlusten mit US-Ramschhypotheken umgekrempelt und hunderte Händler neu in die Bank geholt. Die Sparte beschäftigt heute knapp 18.000 Mitarbeiter. Ob Kengeter bleiben könne oder nicht - auf jeden Fall würden Köpfe rollen, sagte ein Analyst, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen möchte.

Obwohl noch nicht klar ist, wie der mutmaßliche Betrüger im Einzelnen vorgegangen ist, zeigt der Skandal nach Ansicht des Londoner Wissenschafters Chris Roebuck eines klar: "Alle Risiko-Systeme können nicht verhindern, dass ein Einzelner - gerade im Investmentbanking - das System aushebeln kann, wenn er es darauf anlegt." Ob das UBS-Risikomanagement Lücken aufwies, ist derzeit noch nicht klar.