Österreichs Banken machen Fremdwährungskredite zu schaffen.
Österreichs Banken machen Fremdwährungskredite zu schaffen.

Wien. (kle/hes) Der Höhenflug beim Franken ist gestoppt - wenigstens vorerst. Am Donnerstag hat ein Euro im Handelsverlauf 1,23 Franken gekostet, noch im August war mit 1,04 Franken bereits die Parität zum Greifen nahe.

Mit der Entscheidung, ein Abrutschen des Euro unter die Marke von 1,20 Franken nicht mehr zuzulassen, hat die Schweizerische Nationalbank (SNB) für Entspannung gesorgt. Doch niemand weiß, wie lange sie den Mindestwechselkurs verteidigen wird. Nach Einschätzung der Erste Bank wird die SNB das nicht unbegrenzt tun. "Sie wird nur intervenieren, solange Deflationsgefahr besteht", sagt Erste-Analystin Gudrun Egger. Das Risiko stetig fallender Preise - im Fachjargon Deflation - besteht vor allem durch die zuletzt immer billiger gewordenen Warenimporte aus dem Euro-Raum. Sobald sich die Abwärtsrisiken für die Schweizer Wirtschaft verflüchtigen, könnte die SNB spätestens in der zweiten Hälfte 2012 erwägen, die Interventionen einzustellen.

"Es ist fünf vor zwölf"

Danach bliebe die Wechselkursentwicklung wieder den Marktkräften überlassen. Und die Euro-Schuldenkrise könnte das Übrige tun, dass der - von vielen Investoren als sicherer Hafen gesehene - Franken tendenziell aufwertet.

"Die SNB wird das Zeitfenster bei ihren Interventionen nicht ewig offen lassen", erklärt Peter Bosek, Privat- und Firmenkundenvorstand der Erste Bank. Kreditnehmern, die sich in Franken verschuldet haben und deren Schuldenlast immer größer geworden ist, rät er zu einem kostenlosen Wechsel in einen Euro-Kredit: "Es ist 5 vor 12."

Für einen Wechsel offeriert die Erste bis Jahresende zwei Varianten - mit Fixzins oder variabel mit einem Zinsdeckel auf zehn Jahre. Wer nicht wechseln will, sollte zumindest über eine Umstellung vom endfälligen in einen tilgenden Kredit nachdenken oder vorzeitig tilgen, so Bosek. Die Erste Bank wird nun ihre rund 16.000 Privatkunden, die einen Franken-Kredit haben, anschreiben. Das aushaftende Volumen liegt bei 2 Milliarden Euro, weitere 700 Millionen Euro wurden an Firmen vergeben.

Privatkunden hätten bei ihren Frankenkrediten im Durchschnitt 150.000 Euro aufgenommen. Dieser Wert sei durch die Wechselkursschwankungen auf 195.000 Euro geklettert, hieß es in einem Pressegespräch. Insgesamt ist in Österreich jeder vierte Privatkredit ein Franken-Kredit, 210.000 Österreicher haben einen. Bundesweit ist bei Privatpersonen laut Bosek ein Volumen von 34,5 Milliarden Euro in Franken aushaftend, in Yen sind es 2 Milliarden Euro.

Ungarns großer Fehler

In Ungarn werden die Banken - wie berichtet - per Gesetz gezwungen, Fremdwährungskredite auf Kundenwunsch zu einem fixen Wechselkurs zu tilgen. Dieser Kurs ist für die meisten Kreditnehmer um 20 bis 25 Prozent günstiger als der Marktkurs, der Schaden bleibt den Instituten.

Wie hoch dieser ausfallen wird, ist aber schwer absehbar. Er hängt davon ab, wie viele Ungarn von der Möglichkeit Gebrauch machen. Immerhin müssen sie es sich leisten können, Franken- und Euro-Kredite in die Landeswährung Forint umzuschulden. "Wir laufen Gefahr, die guten Kunden zu verlieren: Die schlechten werden uns bleiben", sagte Walter Rothensteiner, Chef der Raiffeisen Zentralbank (RZB), vor Journalisten.

"Es wird Ungarn mittelfristig schaden", so Johann Strobl, Risikovorstand der RZB und der Raiffeisen Bank International. Da sei viel Investoren-Vertrauen verspielt worden. Raiffeisen hat dennoch nicht vor, sich aus dem Markt zurückzuziehen. Strobl: "Ungarn ist für uns nun aber weniger attraktiv als andere Länder." Dafür, dass Länder wie Polen oder Rumänien dem Beispiel folgen könnten, sieht er "keine Anzeichen".

Ob die Orban-Regierung Banken zwingen kann, den Kunden Forint-Kredite für die Umschuldung zu gewähren, ist fraglich. Raiffeisen habe vorerst nicht vor, seinen Kunden selbst ein Angebot zu machen.

Ungarns Bankenverband hat Klagen beim Verfassungsgericht und den zuständigen EU-Institutionen gegen das Gesetz angekündigt. Er warnt, dass die Kunden draufzahlen könnten, wenn die Notenbank die Zinsen anhebt.