Rabat/Wien. (wak) Französische und spanische Pensionisten sind schon da. In den Küstenregionen von Marokko - nur 14 Kilometer vom europäischen Festland entfernt - ziehen sich viele auf ihren Altersruhesitz zurück. Das marokkanische Königreich lockt - bei der Anmeldung als Hauptwohnsitz - mit immensen Steuererleichterungen. Denn diese Pensionisten bedeuten touristische Kaufkraft über das ganze Jahr verteilt, erklärt Manfred Schmid, langjähriger Delegierter der Wirtschaftskammer Österreich in Casablanca.

Doch auch beim klassischen Tourismus ist Marokko gut unterwegs. Im Gegensatz zu Ägypten und Tunesien ist der Touristenstrom heuer auch nicht eingebrochen. Denn während viele Sonnenhungrige die Länder des "Arabischen Frühlings" gemieden haben, gewährleistete Marokko politische Stabilität. Zu Beginn der Revolutionen im nordafrikanischen Raum hatte König Mohammed VI. selbständig die Flucht nach vorn angetreten und aktiv Reformen umgesetzt. Von einem Überschwappen der Revolution sei - trotz verschiedener Studentendemonstrationen im Land (zuletzt vergangenen Sonntag) - nichts zu spüren, meint Schmid.

Die rund acht Millionen Touristen jährlich bringen etwa fünf Milliarden Euro an Devisen ins Land, die das Leistungsbilanzdefizit großteils ausgleichen. Marokko soll zwar Zentrum des noch immer im Planungsstadium befindlichen Desertec-Projekts sein, der weltgrößten Solarstromanlage. Bis jetzt muss das Land aber seine Energie importieren. Marokko hat nämlich anders als seine Nachbarn kaum Öl- oder Gasvorkommen. "Das ist vielleicht ein Segen für das Land", so Schmid. Denn so war das 30-Millionen-Einwohner-Land gezwungen, sich nicht auf eine Einnahmequelle zu verlassen.

Marokko ist für Frankreich und Spanien nun das, was Osteuropa für Österreich ist. Mit Direktinvestitionen engagieren sich primär Firmen aus diesen Ländern, Marokko wird zur verlängerten Werkbank. Frankreich profitiert von der gemeinsamen Sprache aus der Kolonialzeit und errichtet verstärkt Call-Center in Marokko - "genauso wie in Indien viele Call-Center für Großbritannien betrieben werden", erklärt Schmid.