Wien. (wak) Rechnet man das Rezessionsjahr 2009 weg, "ist das die schlechteste Prognose seit acht Jahren", erklärt der Leiter des Wirtschaftsforschungsinstituts Wifo, Karl Aiginger. Für 2012 geht das Institut von einem 0,8-prozentigen Wachstum für Österreich aus. "Und für die 0,8 Prozent brauchen wir noch Optimismus", so Aiginger düster.

In der Prognose geht das Wifo von einem geordneten Ausgleich von Griechenland in den kommenden Monaten aus. "Wir glauben an einen Schuldenschnitt von 50 Prozent für Griechenland, auch wenn das mehr ist, als bisher offiziell diskutiert wird. Und wir gehen davon aus, dass Italien seine budgetären Probleme in den Griff bekommt." Sollte es zu einer ungeordneten Pleite Griechenlands kommen oder Italien doch noch unter den Euro-Rettungsschirm schlüpfen müssen, das will man sich beim Wifo gar nicht ausmalen: "Diese Abwärtsrisiken haben wir nicht eingepreist."

Auch die Ökonomen vom IHS gehen von einer geordneten Insolvenz Griechenlands aus, "wenngleich sich weder die Banken noch die Europäische Zentralbank EZB bisher dafür begeistern konnten", so IHS-Chef Bernhard Felderer. Österreich ist mit knapp 3 Milliarden Euro in Griechenland involviert, aufgrund der geringen Größe sollte daher der griechische Ausgleich für Österreich ein verkraftbares Problem darstellen.

Grundsätzlich sieht das IHS das heimische Wachstum für 2012 mit 1,3 Prozent etwas positiver als das Wifo. Doch auch hier verweist Felderer auf "negative Schocks", die den Ausblick massiv eintrüben könnten, wie etwa einen Bankencrash.

Die Wachstumsprognosen für das kommende Jahr sind damit - seit dem letzten Ausblick vom Juli - von beiden Instituten halbiert worden. Den Tiefpunkt sehen beide zu Jahresende, in den kommenden Monaten werde es eine konjunkturelle Seitenbewegung von "plus oder minus null Prozent" geben, erst in der zweiten Jahreshälfte 2012 sollte sich eine Beruhigung einstellen.

Maximal Einmahlzahlungen für die Herbstlohnrunde

Nach Meinung der Wirtschaftsforscher wird die Weltwirtschaft 2012 langsamer expandieren als bisher erwartet. Nach 5,1 Prozent globalem Wachstum 2010 und 3,8 Prozent im heurigen Jahr werden es laut Wifo 2012 nur noch 3,1 Prozent sein. Das zieht natürlich auch die österreichischen Exporte in Mitleidenschaft. Der heimische Binnenkonsum bleibt zwar konstant bei rund ein Prozent, aber damit zu schwach, um die Ausfälle abzufangen. Zusätzlich werde man sich an eine Arbeitslosenquote (nach nationaler Definition in Prozent der unselbständigen Erwerbspersonen) von rund sieben Prozent "in Zukunft gewöhnen müssen". Zur kommenden Herbstlohnrunde sprechen sich beide Institute eher indirekt und vorsichtig für eine Einmalzahlung bei Niedrigverdienern aus statt für eine Inflationsanpassung.

Für eventuelle Konjunkturpakete sehen beide Institute derzeit keinen Spielraum. Auch möglichen Steuererhöhungen - wie der angedachten Reichensteuer - stehen sie skeptisch gegenüber.

Ungünstigster Zeitpunkt für Steuererhöhungen

"Es ist der ungünstigste Zeitpunkt seit sehr langem, über Steuern zu reden", meint Felderer. "Ich bin nicht bereit darüber zu reden, solange wir eine höhere Abgabenquote als ganz Westeuropa haben." Viel mehr solle man über Steuersenkungen nachdenken. "Man könne nur über Reformen reden, von denen man weiß, dass sie zwar heute Anfangskosten verursachen, dafür morgen viel Geld bringen", sagt Aiginger und erinnert einmal mehr an die unbefriedigende Finanzierung der leerstehenden Spitalsbetten. "Es ist der gefährlichste Zeitpunkt seit Krisenbeginn. Und vielleicht die letzte Chance für Reformen."

Die Bewältigung der 2008 ausgebrochenen Krise hat laut Felderer, der auch Präsident des Staatsschuldenausschusses ist, den österreichischen Staat bis Ende 2010 etwa 35 Milliarden Euro gekostet. Zwei Drittel davon entfallen auf entgangene Steuereinnahmen, ein Drittel auf Konjunktur- und Stabilisierungsmaßnahmen.