Berlin. (wak) Deutschland war und ist im heurigen Jahr mit 2,9 Prozent Wachstum die Konjunkturlokomotive Europas. Doch was verschiedene Ökonomen schon seit längerem unken, wurde gestern, Donnerstag, von den deutschen Wirtschaftsforschungsinstituten im Herbstgutachten bestätigt: Europas größte Volkswirtschaft wird nach zwei Jahren des Aufschwungs 2012 nur noch um 0,8 Prozent wachsen. Die gute Nachricht: Eine Rezession sei unwahrscheinlich - nur das letzte Quartal 2011 wird von einer Schrumpfung betroffen sein.

Zu einem ähnlichen Ergebnis kommt auch die von Reuters veröffentlichte Quartalsumfrage von 23 befragten Ökonomen: Ein Mini-Wachstum von 0,1 Prozent gegen Jahresende, gefolgt von einem Wachstum von rund 1 Prozent im Jahresdurchschnitt 2012.

Haben diese neuen Aussichten Auswirkungen auf Österreich, traditionell stark im Außenhandel mit Deutschland engagiert? Nun, die österreichischen Wirtschaftsforschungsinstitute Wifo und IHS haben die deutsche Entwicklung schon bei der Präsentation ihrer jeweiligen Prognosen vor zwei Wochen mit eingepreist. Das Wifo geht von 0,7 Prozent Wachstum für Deutschland im Jahr 2012 aus (und 0,8 für Österreich); das IHS prognostiziert 1,2 Prozent für Deutschland (und 1,3 Prozent für Österreich).

Höhere Löhne für 2012

Auf dem Arbeitsmarkt geht das deutsche "Jobwunder" aber weiter. Im nächsten Jahr werde die Arbeitslosenquote auf 6,7 Prozent sinken (2011: 7,0 Prozent). Und die Beschäftigten können der deutschen Herbstprognose zufolge auch im Abschwung auf kräftige Lohnerhöhungen hoffen. Die tariflichen Stundenlöhne dürften um 2,5 Prozent zulegen und damit stärker als in diesem Jahr mit 1,8 Prozent. "Die Lohn- und Gehaltsrunde 2011 ist weitgehend abgeschlossen, mit vielen Vereinbarungen, die auch das Jahr 2012 betreffen", schreiben die führenden deutschen Institute. "Dabei zeigt sich, dass angesichts der günstigeren gesamtwirtschaftlichen Rahmenbedingungen deutlich höhere Abschlüsse getätigt wurden als in den Vorjahren."

Kritik übten die Wirtschaftsexperten am Euro-Krisenmanagement der Politik. Sie fordern einheitliche Verfahren für den Umgang mit Staats- und Bankenpleiten. Mit einer Eskalation der Bankenkrise wegen einer Umschuldung in Griechenland rechnen die Institute aber nicht.

Die Europäische Zentralbank (EZB) soll im Kampf gegen die Schuldenkrise im Euro-Raum schnell ihren Kurs ändern, fordern die Ökonomen in ihrem Herbstgutachten. Die Notenbank solle keine Anleihen überschuldeter Staaten mehr kaufen und stattdessen die Zinsen senken.