Irans Präsident Mahmoud Ahmadinejad macht das Victory-Zeichen vor einem Treffen mit dem türkischen Premierminister Recep Tayyip Erdogan im Mai am Rande einer UN-Konferenz in Istanbul. - © REUTERS
Irans Präsident Mahmoud Ahmadinejad macht das Victory-Zeichen vor einem Treffen mit dem türkischen Premierminister Recep Tayyip Erdogan im Mai am Rande einer UN-Konferenz in Istanbul. - © REUTERS

Ankara/Teheran/Wien. Seit Jahren steht der Iran wegen seines umstrittenen Atomprogramms unter dem Druck internationaler Sanktionen der Vereinten Nationen sowie der EU, aber vor allem der USA. Lukrative Handelsbeziehungen mit der islamischen Republik werden durch die Strafmaßnahmen immer schwieriger. Die meisten iranischen Banken stehen auf so genannten schwarzen Listen, und wer mit den Persern wirtschaftlich liebäugelt, bekommt die US-Wut so zu spüren, dass er meist wieder die Finger davon lässt.

In den letzten fünf Jahren fungierte vor allem das arabische Emirat Dubai als Drehscheibe Teherans, um den internationalen Sanktionsdruck zu umgehen. Doch seit das Emirat eine eindeutige Warnung aus Washington bekommen hat, die Iran-Sanktionen mit seiner sogenannten Schlupflochfunktion für Drittgeschäfte nicht ins Lächerliche zu ziehen, wird auch am Hafen von Dubai viel strenger kontrolliert, wenn Güter für den Iran bestimmt sind.

Türkei als "Alternative"


Nun scheint es, dass es dem Iran gelungen ist, eine "Alternativlösung" zu Dubai zu finden: die Türkei. Denn obwohl die türkischen Grenzregionen zum Land am Persischen Golf streng bewacht werden, blüht der illegale Handel zwischen den beiden befreundeten Staaten offensichtlich. Und das trotz der westlichen Sanktionsrute, die auch Ankara als UN-Mitglied voll mittragen sollte.

Ein Blick auf die drei Grenzübergänge zeigt aber, dass die Masse der Lastwagen und Privatautos, die jeden Tag von einem Land ins andere fahren, jeglichen Sanktionen den Wind aus den Segeln nehmen. Auf rund vier Milliarden Dollar im Jahr soll sich der illegale Handel laut Experten belaufen. Hauptsächlich rollen hierbei Maschinen, verschiedene andere Sachgüter, aber auch Koffer mit Bargeld über die Grenze.

Diese Geldtransfers laufen meist nach demselben Prinzip ab: Der Käufer zahlt die Summe zuzüglich einer Kommission an einen Mittelsmann und schafft das Geld so aus dem Land. Besonders gern lassen die Perser neuerdings auch türkische Unternehmen als Zwischenhändler für iranische Partnereinkäufe von Maschinen fungieren. Der offizielle bilaterale Handel wird ebenfalls ausgebaut.

Der türkische Premier Tayyip Erdogan bestätigte erst diese Woche erneut, dass sein Land sich nur an die Auflagen der Vereinten Nationen gebunden fühle und daher die weiterführenden Wirtschaftssanktionen seitens der USA beziehungsweise der EU nicht relevant wären. Ein aufsehenerregendes Paradebeispiel dieser Wirtschaftspolitik war etwa seine Genehmigung, ein Geschäft zwischen Indien und dem Iran abzuwickeln, bei dem es um die Zahlung von Schulden für Öllieferungen ging.

Fazit: Trotz unterschiedlicher politischer Ansichten hinsichtlich der Syrien-Krise ist man sich in Ankara und in Teheran wirtschaftlich einig: Schon zu Beginn des Jahres äußerten iranische und türkische Regierungsvertreter, dass sie den bilateralen Handel im Umfang von aktuell 10 Milliarden US-Dollar bis zum Jahr 2015 auf 30 Milliarden US-Dollar erhöhen wollen.