Wien. (rb) Wie es scheint, hat die Reaktorkatastrophe von Fukushima die japanische Bevölkerung zum Umdenken gebracht. Waren vor dem Erdbeben und dem darauf folgenden Tsunami vom 11. März noch zwei Drittel der Japaner für Atomenergie, sind heute zwei Drittel dagegen, sagte der österreichische Wirtschaftsdelegierte in Japan, Martin Glatz, am Freitag vor Journalisten in Wien.

Der Stimmungsumschwung und auch die Tatsache, dass wegen der Katastrophe nicht mehr alle Atommeiler in Betrieb sind, führen dazu, dass die Energie nun aus anderen Quellen bezogen werden muss. Alternativen seien kalorische Kraftwerke (Gas oder Kohle) oder Energie, die aus Solarzellen oder Windrädern gewonnen wird. In Japan gebe es freilich auch geothermisches Potenzial. Das Problem sei dabei aber, dass die heißen Quellen oft in Nationalparks liegen und Probebohrungen daher schwer möglich seien, berichtet Glatz.

Die Japaner hätten vor Kurzem aber auch noch eine weitere Alternative gefunden: Holz, das zu Biomasse verarbeitet werden kann. Bisher wurde der riesige Waldbestand kaum als Ressource wahrgenommen, das habe sich allerdings geändert. So sei erst vergangene Woche eine hundert Personen umfassende japanische Delegation in Österreich gewesen, um die Forstmaschinen-Messe im steirischen Stift Rein zu besuchen. Vorbild für die Energie-Wende sei die energieautarke Gemeinde Güssing im Burgenland.

Platten für Luxus-Küchen

Bei den Themen Energie und Holz gebe es daher "Potenzial für unsere Betriebe", meint Glatz. Holz sei bereits jetzt das Hauptexportprodukt nach Japan. Dabei werden aber nicht nur Schnittholz, sondern auch Leimbinder und Platten für die Industrie nach Japan verschifft. "Die besten japanischen Küchen haben österreichische Platten", sagt der Wirtschaftsdelegierte. Gut laufen würde es für die Maschinenbauer, während Lebensmittel noch eine Nische seien. Das sei aber ein Bereich, "der interessant wird", ist Glatz überzeugt. In Summe werden heuer Waren von etwas mehr als einer Milliarde Euro nach Japan verkauft. Der Höchststand von 2007 (1,2 Milliarden Euro), wird dabei nicht erreicht.