Wien. (wak) Nach dem EU-Gipfel ist vor der Krise. So ähnlich haben es sich wohl Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner und Sozialminister Rudolf Hundstorfer gedacht, als sie eine Pressekonferenz zu "Maßnahmen zur Krisenprävention" angesetzt haben, wo doch "alle Prognosen eine kleine Delle" für die nahe Zukunft voraussagen, so Hundstorfer.

Der österreichische Arbeitsmarkt hat im EU-Vergleich gut abgeschnitten, ja dank zahlreicher Maßnahmen wie Kurzarbeit, Bildungskarenz etc. ist im August 2011 sogar die Arbeitslosenquote im europäischen Vergleich (nach Eurostat) mit 3,7 Prozent deutlich besser als die vor der Krise (August 2007: 4,7 Prozent). Damit widersetzt sich Österreich dem EU-weiten Trend der steigenden Arbeitslosigkeit. "Kurzarbeit hat eine beschäftigungsstabilisierende Funktion", erklärt Hundstorfer. Im Krisenjahr 2009 haben insgesamt 66.505 Personen kurz gearbeitet. Derzeit werde diese Maßnahme mit 622 Fällen Ende September kaum in Anspruch genommen. Trotzdem soll Kurzarbeit bis mindestens 2014 in Anspruch genommen werden können - für den Fall der "kleinen Delle".

Als weitere Maßnahmen zur Krisenprävention nannte Hundstorfer Bildungskarenz für Weiterbildung und Höherqualifizierung. So haben während der Krise jährlich 11.000 Arbeitskräfte dieses Instrument genutzt. Die vereinfachten Zugangsregeln werden unbefristet verlängert.

Eingliederungsbehilfen für 1500 Frauen im Herbst

Mit dem verbleibenden und unverplanten Budget des Arbeitsmarktservice (AMS) will Hundstorfer als "Herbstschwerpunkt" ein Frauenpaket schaffen. Insgesamt sollen 1500 "ältere Frauen" noch 2011 in ein reguläres Dienstverhältnis eintreten. Mit fünf Millionen Euro würden Eingliederungsbeihilfen und sonstige Förderungen finanziert werden.

Schwerpunkt für die Zukunft ist für beide Minister die Ausbildung von Fachkräften. Hier gebe es eine hohe Drop-Out-Quote, die auf die Hälfte verringert werden soll. 130.000 Jugendliche absolvieren derzeit eine Lehre, davon sind rund 37.000 im ersten Lehrjahr. 22.000 Lehrlinge haben im Vorjahr ihre Lehre abgebrochen oder gewechselt. 5700 haben ihre Lehre in der Probezeit abgebrochen, bei 4800 kam es zur einvernehmlichen Lösung, knapp 1600 Lösungen erfolgten durch den Lehrbetrieb, rund 5300 durch die Lehrlinge, und 4600 traten die Lehre nicht an beziehungsweise wählten einen anderen oder gar keinen weiteren Bildungsweg.

Mit Hilfe eines gezielten Coaching-Programms, das 2012 mit einem Pilotprojekt starten soll, sollen vor allem Ausbildungsabbrüche verringert werden.