Wien. Ist die SPÖ noch die Nummer eins? Wie stehen HC Straches Chancen, Erster zu werden? Auf wie viel Prozent kommt die ÖVP noch? Spüren die Grünen Rückenwind? Ist das BZÖ noch vorhanden? Die obligate Sonntagsfrage - "Wem würden Sie am nächsten Sonntag bei einer Nationalratswahl Ihre Stimme geben?" - ist zum Ritual geworden.

Auch wenn es den Lesern wenig bringt, werfen sich etliche Zeitungen kräftig ins Zeug: Das Magazin "profil" lässt Karmasin allmonatlich das politische Meinungsklima erheben. "Österreich" verlässt sich auf Gallup. Der "Standard" setzt auf das Market-Institut. Die "Krone" bevorzugt Imas. Wolfgang Bachmayers OGM-Institut steht dem "Kurier", der "Kleinen Zeitung" und der Gratispostille "Heute" gern zu Diensten.

Die Umfragen bescheren den Meinungsforschern zwar kaum Bares, weil die Medien als Auftraggeber dafür wenig bis gar nichts zu blechen pflegen, aber zumindest regelmäßige Publizität. Je öfter sie in den Zeitungen stehen - so das Kalkül -, umso eher wecken sie das Interesse jener, die für Meinungsumfragen gerne zu zahlen bereit sind - wie etwa Firmen oder Verbände.

Die heimischen Politiker hingegen, die durchaus Interesse haben müssten, was denn die Bürger so alles denken, behandeln die einschlägigen Institute ziemlich stiefmütterlich: So etwa gab die Bundesregierung für Umfragen in einem Jahr weit weniger als eine Million Euro aus. Bei den durchwegs ohne Ausschreibung vergebenen Aufträgen ging es beispielsweise um Korruption in Österreich, die Arbeitsabläufe in Finanzämtern, die Einstellung der Bevölkerung zur EU und das Image der Landwirtschaft.

Doch nur relativ wenige Ergebnisse der Studien wurden in Pressekonferenzen medial verbraten, das Gros der Resultate indes diente internen Zwecken und blieb unter Verschluss. Am meisten gab Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner für Meinungsforschung aus, dessen Ministerium ähnlich wie drei weitere VP-geführte Ressorts eine Präferenz für GfK Austria haben dürfte. Das rot punzierte Ifes-Institut kommt naturgemäß in der linken Reichshälfte besser an. Wolfgang Bachmayers OGM-Institut und der TV-Politologe Peter Filzmaier hingegen fanden sowohl bei Schwarz und Rot Beachtung. Die drei Linzer Institute Imas, Market und Spectra erhielten lediglich Miniorders. Die geringste Summe ließ Kanzler Werner Faymann springen, der sich nur für das Meinungsklima in der Kärntner Ortstafelfrage interessiert hat.

"Politik am besten vergessen"

Die Parteien sind diesbezüglich zwar etwas aufgeschlossener, weil sie regelmäßig etwa das Image ihrer Spitzenleute testen oder das Meinungsklima zu bestimmten Sachfragen kennenlernen möchten, doch die knappen Kassen zwingen auch sie zu überraschender Bescheidenheit.

Dass die Politik beziehungsweise die Parteien knausrige Auftraggeber sind - "die kann man getrost vergessen" (ein Linzer Meinungsforscher) -, bekam ein Anbieter schmerzlich zu spüren: Die beiden ORF-Wahlpropheten Günther Ogris und Christoph Hofinger, die 1996 das Sora-Institut gegründet haben, schlitterten im vergangenen Juli in die Insolvenz. Das unter anderem auf Hochrechnungen und Wählerstromanalysen spezialisierte Duo scheint aber noch einmal die Kurve kratzen zu können. Die Mitarbeiterzahl wurde halbiert, die Gläubiger dürfen mit einer Quote von 30 Prozent rechnen. Hofinger, bei dem die klassischen Umfragen nur 10 Prozent des Umsatzes ausmachen - "das ist ein hartes Brot" -, will künftig verstärkt auf Sozialforschungsprojekte setzen.

Während Wolfgang Bachmayer vom OGM-Institut, sein selbständig gewordener Ex-Mitarbeiter Peter Hayek oder Peter Filzmaier, Chef des Instituts für Strategieanalysen (ISA), ebenfalls auf die Politik fokussiert sind, konzentrieren sich die beiden Branchengrößen GfK Austria und ACNielsen lieber auf die Wirtschaft: Peter Damisch etwa, Chef von GfK Austria, lebt vom Who is Who der österreichischen Top-Firmen, die von A wie Allianz Elementar bis Z wie Zürich Versicherung reichen. Auch Wirtschaftskammer, Industriellenvereinigung oder Nationalbank nehmen die Dienste der 160 Mitarbeiter zählenden Firma gerne in Anspruch.

GfK Austria gehört zu einer internationalen Gruppe mit mehr als 150 Unternehmen beziehungsweise Beteiligungen sowie 10.000 Beschäftigten in 100 Ländern. Sie hat in Zentral- und Osteuropa ein Netzwerk aus 20 Tochterunternehmen in 19 Ländern aufgebaut. ACNielsen mit Sitz in New York ist ebenfalls einer der weltweit führenden Marktforschungs-Big-Player. Bernd Fletschok, Chef der Österreich-Niederlassung, hat jedoch mit Politik nichts am Hut. Seine Firma befasst sich bevorzugt mit Kundenbindung, Markensteuerung, Preisstrategien, Wettbewerbsanalysen, Produkteinführungen und dem Konsumentenverhalten.

Die seit kurzem von Sophie Karmasin geführte Gallup-/Karmasin-Gruppe (60 Mitarbeiter und 450 freiberufliche Interviewer) sowie zwei in Linz beheimatete Institute legen auf Präsenz im Ausland ebenfalls großen Wert: Imas-Boss Ansgar Löhner etwa gründete im Dezember 2010 das internationale Netzwerk RedRay Research, sodass seine Firma via Töchter und Partner bereits in rund 25 Ländern präsent ist; der neue Spectra-Chef Peter Bruckmüller wiederum kann dank etlicher Partnerinstitute auf zahlreiche Studien in 13 osteuropäischen Staaten verweisen.