Frankfurt/Solms. (afp/sda/rb) Der traditionsreiche hessische Kamerahersteller Leica meldet für das erste Halbjahr deutlich bessere Geschäfte. Nach vorläufigen Berechnungen sei der Umsatz in den ersten sechs Monaten des am 31. März 2012 endenden Geschäftsjahres um 27,9 Prozent im Vorjahresvergleich auf 141,7 Millionen Euro gestiegen. Der Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) wuchs laut der Mitteilung sogar um 138,6 Prozent auf 33,1 Millionen Euro. Der Leica-Vorstand hob deshalb seine Prognosen für das laufende Geschäftsjahr deutlich an.

Hauptinhaber von Leica ist der österreichische Milliardär Andreas Kaufmann. Er hält über die Salzburger ACM Projektentwicklung 97,6 Prozent. Der US-Investmentfonds Blackstone will 44 Prozent der Leica-Anteile übernehmen. Kaufmann will aber die Mehrheit auf Dauer behalten.

Kaufmann war es auch, der Leica 2005 das Leben rettete. Er kaufte die Mehrheit an der Firma, über der damals der Pleitegeier kreiste, steckte Dutzende Millionen hinein - und schaffte, was keiner geglaubt hatte: Er sanierte die Firma. Heute macht Leica wieder Gewinne. Der Unternehmer stammt aus einer der reichsten Familien Österreichs, die ihr Geld mit der Papierherstellung machte. Aufgewachsen ist er aber eher "frugal", wie er der Nachrichtenagentur AFP erzählt. Und auch seine Kinder sollen nicht ihr Leben damit verbringen, das Vermögen einfach nur auszugeben, sagt der 58-Jährige. Fast hätte er dieses Vermögen auch riskiert: Die millionenschwere Investition in Leica (Leitzsche Camera) begann als "Enttäuschung", erinnert er sich: Das Unternehmen sei in einem sehr schlechten Zustand gewesen, selbst das Management habe an der Qualität der Produkte gezweifelt.

Als Aufsichtsratsvorsitzender, zwischenzeitlich auch als Vorstandsvorsitzender, sorgte Kaufmann für den überfälligen Umstieg von analoger auf digitale Technik. Die Zusammenarbeit mit dem japanischen Hersteller Panasonic baute Leica unter seiner Ägide aus. Gleichzeitig pflegte er das über Jahrzehnte gewachsene Image der berühmten Kameras, die Fotografenlegenden wie Henri Cartier-Bresson oder Robert Capa für ihre Aufnahmen nutzten.

Expansion nach China und in die arabische Welt geplant


Die Strategie Kaufmanns ging auf: Zwar muss er durch die Kooperation mit dem Konzern Panasonic, der Fotoapparate eher für die Masse herstellt, Kompromisse eingehen. Doch es gelang ihm, den Namen von Leica als Spitzen-Kamerahersteller zu verteidigen. Trotz exorbitant wirkender Preise finden seine Produkte reißenden Absatz. Für die Zukunft setzt Kaufmann auf Wachstum in den aufstrebenden Weltregionen. Helfen soll dabei der US-Hedgefonds Blackstone. Bei ihren Preisen gälten die Leica-Produkte etwa in China "als Luxusprodukte", sagt Kaufmann. Es sei deshalb "die nächste strategische Etappe" für Leica, dort Fuß zu fassen. Das gleiche hat er in den arabischen Staaten vor - und will damit innerhalb von nur fünf Jahren seinen Umsatz verdoppeln.