Tokio. (kle/afp) Riesenwirbel um Olympus: Seit den 80er Jahren hat der japanische Kamera-Hersteller seine Bilanzen getürkt, um hohe Verluste aus Finanzgeschäften zu verschleiern. Dass im großen Stil getrickst wurde, gab der Konzern am Dienstag nach wochenlangen Dementis zu.

Laut Olympus-Chef Shuichi Takayama waren die verheimlichten Verluste wichtigen Teilen der früheren Führung bekannt: Die beiden Ex-Konzernchefs Hisashi Mori und Tsuyoshi Kikukawa, aber auch der Rechnungsprüfer Hideo Yamada seien informiert gewesen. Gegen alle drei geht Olympus nun juristisch vor.

Die Verluste selbst sollen über den Kauf von vier Firmen getarnt worden sein. Bei diesen Übernahmen sind dubiose, außergewöhnlich hohe Beraterhonorare geflossen. Ein Expertenteam untersucht derzeit eine ganze Reihe von Unregelmäßigkeiten. Bei den Verlusten soll es um umgerechnet 1,1 Milliarden Euro gehen.

Den Stein ins Rollen gebracht hat der frühere Olympus-Chef Michael Woodford. Wegen eines "unangemessenen" Arbeitsstils wurde der Brite gefeuert. Er konterte dann allerdings und erklärte, sein Rausschmiss habe in Wirklichkeit mit seinen Fragen nach Gründen für die umstrittenen Zahlungen zu tun. Woodfords Nachfolger wurde Kikukawa, ein Olympus-Urgestein. Er dementierte die Zahlungen in der Öffentlichkeit zunächst - und musste deshalb kurze Zeit später das Feld für Takayama räumen.

"Zukunft extrem düster"

Der Skandal hat mittlerweile auch die Politik alarmiert. Regierungschef Yoshihiko Noda sorgt sich um den Ruf der gesamten japanischen Wirtschaft. Von Olympus forderte Nippons Premier eine rasche Aufklärung der Affäre.

Durch sein Ausmaß könnte der Skandal die Existenz des Elektronik-Konzerns gefährden: Anwälte und Analysten sagten, Olympus drohten ernste Konsequenzen, die von Klagen wegen Bilanzbetrugs bis hin zu einem Ausschluss von der Tokioter Börse reichen. "Die Zukunft der Firma ist extrem düster", so ein Analyst. Olympus-Aktien stürzten am Dienstag um fast 30 Prozent ab. Seit Bekanntwerden der Affäre im Juni büßten die Papiere mehr als zwei Drittel ihres Werts ein.