Zunächst schien es, als hätten nur ein paar schwarze Schafe unter Österreichs Winzern Wein mit dem Frostschutzmittel Diäthylenglykol zu Prädikatswein "veredelt". Nach und nach wurde die Liste immer länger. Es hagelte mehr als 300 Anzeigen (gegen manche Winzer mehrfach), der Skandal um den gepanschten Wein schlug Wellen bis Deutschland. Ein Land nach dem andern warnte vor Österreichs Weinen oder stoppte den Import.

Anfang April 1985: Im Zusammenhang mit burgenländischen Winzern ist erstmals von einem Weinskandal die Rede.

2. Mai: Fünf Anzeigen der Bundesanstalt wegen Verdachts auf Verfälschung nach dem Weingesetz.

20. Juli: Nach Hausdurchsuchungen klicken im Burgenland erste Handschellen. Etliche Weinbauern versuchen, Glykolwein über die Kanalisation zu entsorgen.

27. August: Die Europäische Gemeinschaft untersucht 10.000 Weine. In 800 österreichischen, 42 deutschen und 9 italienischen wird Frostschutzmittel entdeckt.

Oktober 1985: Trotz wütender Proteste setzt Landwirtschaftsminister Günter Haiden (SPÖ) ein Weingesetz durch, das den Winzern neue Standards auferlegt. Das Gesetz hat von Beginn an den Ruf, das "strengste Weingesetz Europas" zu sein - und beschleunigt den Strukturwandel: Immer mehr kleine Winzer geben auf.

Siehe auch:

Analyse: Der zähe österreichische Mythos vom segensreichen Weinskandal