Wien. (wak/hdt) Mit einer stagnierenden Wirtschaft zu Jahresende hatten alle Experten seit geraumer Zeit gerechnet. Jetzt mehren sich allerdings die Hinweise auf eine Rezession im kommenden Jahr: Die Wirtschaftsleistung in Österreich könnte 2012 um 0,5 Prozent schrumpfen, befürchten die Experten der volkswirtschaftlichen Abteilung der Raiffeisen-Gruppe.

"Die Daten im September haben vor allem im Industriebereich stark nachgelassen", erklärt Raiffeisen-Research-Experte Gottfried Steindl im Gespräch mit der "Wiener Zeitung". Damit habe sich der Abschwung bereits im noch guten dritten Quartal abgezeichnet - und "der starke Knick schlägt nun mit voller Wucht im vierten Quartal durch." Steindl erwartet aufgrund der Auftragslage keine Besserung im vierten Quartal.

In Deutschland hatten die Unternehmen im September um 4,3 Prozent weniger Auftragseingänge, in Italien sogar um 8 Prozent weniger. Österreichs Zahlen fehlen noch.

Ob sich im Dienstleistungsbereich ebenfalls ein Absacken herauskristallisiert, ist schwer abzuschätzen. Dort stützt sich die Prognose vor allem auf Umfragen. "Doch selbst wenn dieser Sektor im vierten Quartal anzieht, wird es nicht ausreichen, um die geringere Produktion auszugleichen."

Den Abschwung 2012 errechnet Steindl nicht so sehr aus der realwirtschaftlichen Datenlage sondern eher aus makroökonomischen Modellen. Hinter allen Prognosen hängt ein großes Fragezeichen: der weitere Verlauf der Eurokrise. Diese sei schon jetzt ein "belastendes Element, das noch sehr stark werden könnte".

Wifo: Prognose revidieren

Ende September hatte das Wirtschaftsforschungsinstitut Wifo für 2012 noch 0,8 Prozent Wachstum angenommen - allerdings unter der Annahme, dass sich die Eurokrise nicht verschlimmert. Diese Annahme habe sich bisher aber als falsch erwiesen, die Probleme in der Eurozone seien schlimmer geworden, meint Wifo-Ökonom Stefan Ederer. Daher gilt es als wahrscheinlich, dass das Wifo seine Prognose für 2012 spätestens im Dezember wieder hinunterrevidiert. Außer: "Wenn die EU demnächst eine tolle Lösung vorschlägt, könnte sich die Situation wieder stabilisieren", so Ederer.

2011 wird das Wirtschaftswachstum in Österreich nach den letzten Daten sogar 3,2 Prozent ausmachen. Dafür sind zum guten Teil die Exporte verantwortlich, die durchaus auch 2012 auf neue Rekordhöhen weiter wachsen könnten - nach drei Quartalen hatte es 2011 ein Plus von 15 Prozent gegeben, auch wenn "das Eis dünner wird".

Österreichs Unternehmen müssten daher ihre immer noch zu starke Fokussierung auf Europa aufgeben und sich verstärkt dorthin wenden, wo das Wachstum stark ist, forderte WKO-Chef Christof Leitl bei einer Konferenz zu den Brics-Staaten (Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika) in Wien. Brics sei "zum Synonym für Wachstum, Dynamik, Potenzial und Chance für österreichische Firmen" geworden, so Leitl. Während Europas Wachstumsraten sich zwischen null und zwei Prozent bewegen, erreichen sie in den fünf Ländern bis zu neun Prozent.