Brüssel. EZB-Chef Mario Draghi hat Erwartungen an eine tragende Rolle der Europäischen Zentralbank bei der Lösung der Schuldenkrise gedämpft. Die nicht auf Dauer angelegten unkonventionellen Maßnahmen der EZB zur Bekämpfung der Krise seien begrenzt, sagte der Italiener am Donnerstag bei der Vorstellung des EZB-Jahresberichts 2010 im Europa-Parlament. Die EZB hat bereits für mehr als 200 Milliarden Euro Staatsanleihen von Schuldenstaaten aufgekauft. Sie stützt damit die Märkte, drückt aber de facto auch die Zinslast dieser Staaten.

Die Zentralbank sei sich zudem der "andauernden Schwierigkeiten der Banken" bewusst, sagte Draghi. Die EZB, die US-Notenbank Fed und weitere wichtige Notenbanken hatten am Mittwoch in einer konzertierten Aktion beschlossen, die Banken mit Dollar-Liquidität zu günstigen Konditionen zu versorgen. Hintergrund ist, dass viele Banken wegen der Krise Dollar horten und damit zu wenig der Welt-Leitwährung im System zur Verfügung steht. Einige europäische Banken hatten zuletzt Probleme gehabt, sich günstig Dollar-Kredite zu besorgen.

Zinsen für Staatsanleihen sinken    
Der Schulterschluss der Zentralbanken hat am Donnerstag jedenfalls für deutliche Entspannung bei den Zinsen für zehnjährige Staatsanleihen gesorgt. Praktisch durchgehend sanken die Renditen.

Für das klare Absinken bei den belgischen Zinsen dürfte zusätzlich auch die Ankündigung über die Regierungsbildung im Land gesorgt haben. Belgien ist bisher seit 535 ohne Regierung. Die Rendite für die Staatsanleihen notierten bei 5,013 Prozent. Vor sechs Tagen lagen sie noch bei 5,74 Prozent.

Die Italiener kamen mit ihren Zinsen wieder unter die 7-Prozent-Grenze. Nach 7,356 Prozent vor zwei Tagen lagen sie zuletzt bei 6,993 Prozent. Portugal blieb mit 14,053 Prozent relativ hoch, es gab nur einen sehr leichten Abwärtstrend nach den 14,068 Prozent vom Vortag.

Positiv entwickelten sich die Zinsen auch in Frankreich (gegenüber dem Vortag von 3,521 auf nun 3,384 Prozent), in Österreich (von 3,657 auf 3,549) oder Finnland (2,935 auf 2,835). Und auch die am höchsten notierten Staatsanleihen aus Griechenland gingen wieder etwas nach unten - von 32,002 auf 31,533 Prozent. Die deutschen Papiere fielen leicht von 2,331 vor zwei Tagen auf 2,269 Prozent.