Wien.

Irans Ölminister Rostam Ghasemi (links) und Opec-Generalsekretär Addalla Salem el-Badrij bei der Ministerkonferenz des Kartells am Mittwoch im Wiener Opec-Hauptquartier. - © EPA
Irans Ölminister Rostam Ghasemi (links) und Opec-Generalsekretär Addalla Salem el-Badrij bei der Ministerkonferenz des Kartells am Mittwoch im Wiener Opec-Hauptquartier. - © EPA
(hdt/reu) Auch vom Sessel des turnusmäßigen Vorsitzenden aus hat sich der iranische Ölminister Rostam Ghasemi mit seiner Forderung nach einer Drosselung der Ölförderung nur teilweise durchgesetzt: Die Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec) hat sich zwar bei ihrer Ministerkonferenz in Wien am Mittwoch erstmals seit drei Jahren auf eine Begrenzung der Ölförderung verständigt - die Beschränkung auf 30 Millionen Barrel pro Tag entspricht aber dem derzeitigen, über den normalen Quoten liegenden Produktionsniveau. Die Vereinbarung soll zunächst für das erste Halbjahr 2012 gelten. Dadurch wollen die Mitgliedsländer vermeiden, dass der Ölpreis unter Druck gerät, wenn Libyen wieder voll produziert.

"Förderung herunterfahren, um Platz für Libyen zu schaffen", formuliert es Venezuelas Ölminister Rafael Ramirez. Derzeit produziert vor allem Saudi-Arabien über den festgelegten Quoten. Ein Teil der Überproduktion sollte in den vergangenen Monaten den Ausfall Libyens kompensieren. Nach Angaben des libyschen Delegierten bei der Opec soll die Förderung nun "so bald wie möglich" wieder zwei Millionen Fass (je 159 Liter) am Tag erreichen.

Die Entscheidung der Opec sorgte an den Märkten kaum für Reaktionen - die zuletzt auch von US-Notenbank genährte Angst vor einer deutlicheren Abkühlung der Weltwirtschaft hat die Talfahrt des Ölpreises am Mittwochnachmittag beschleunigt. Brent und WTI verbilligten sich um bis zu knapp drei beziehungsweise 3,6 Prozent auf 106,35 und 96,51 Dollar je Fass.

Konjunktur lahmt, Ölbedarf wächst langsamer


Opec und auch IEA hatten diese Woche ihre Bedarfsprognosen ein weiteres Mal nach unten revidiert: Die Opec geht nunmehr davon aus, dass die weltweite Ölnachfrage im nächsten Jahr nur noch um 1,1 Millionen Barrel pro Tag wachsen wird.

Die Frage möglicher Sanktionen gegen den Iran wegen seines vermuteten Atomprogrammes spielte Teilnehmern zufolge eine untergeordnete Rolle bei dem Treffen in Wien. Der iranische Ölminister Ghasemi erwartet keine Sanktionen bei den Ölausfuhren: "Wir haben traditionell gute Beziehungen zu Griechenland, Italien und anderen europäischen Ländern."

Der Iran hat laut Ghasemi auch nicht vor, während eines Manövers die für Öl- und Gastransporte wichtige Meerenge von Hormus zu sperren: Das Militär der Islamischen Republik halte zwar Übungen ab, der Seeweg werde aber offen bleiben.

South Stream wird nicht über Österreich führen


Apropos Gas: Der russische Gaskonzern Gazprom hat russischen Medienberichten zufolge nun die Route für die South-Stream-Pipeline festgelegt. Der Hauptstrang werde nicht nach Österreich führen, da das Nabucco-Pipeline-Projekt aktiv lobbyiert werde, sondern in den Norden Italiens, schreibt die Tageszeitung "Moskowskije Nowosti".

Damit habe Gazprom die Variante abgeschrieben, die den Gastransport zum Hub im österreichischen Baumgarten vorsah. Gazprom und OMV haben Anfang 2011 ein Joint-Venture zum Bau des österreichischen Abschnitts gegründet.

Sprit kostete pro Haushalt heuer 170 Euro mehr


Sprit ist heuer jeden Haushalt in Österreich im Durchschnitt um 170 Euro teurer gekommen als 2010. Der Arbö kritisierte erneut die schleppende Weitergabe von Preissenkungen.