Peking. (wak) Chinas Immobilienbranche ist für 13 Prozent des Wirtschaftswachstums verantwortlich und für mehr als ein Viertel aller Investitionen. Der nationale Häusermarkt Chinas ist damit für die globale Wirtschaft so wichtig wie kein anderer einzelner Sektor. Aber er treibt nicht nur die Weltwirtschaft, sondern ist auch ein wichtiger Abnehmer für die importierten Rohstoffe - der Häusermarkt schluckt 40 Prozent des chinesischen Stahlbedarfs.

In China wird wie verrückt gebaut. Grund dafür ist, dass das kommunistische Regime in den späten 90er Jahren plötzlich Individuen erlaubte, Hauseigentum zu besitzen - nach dem Muster des "Sozialismus chinesischer Prägung". Einzig Immobilien sind bis heute Geldanlage oder Spekulationsobjekt, das reiche Chinesen zur Verfügung haben: Auf dem Bankkonto wären die Steuern so hoch, dass man von negativen Zinsen sprechen kann.

Kreditvergabe läuft an der Regierung vorbei

Mittlerweile regiert Spekulation den Markt. Die Häuserpreise explodieren bereits. In der "Financial Times" wird geschätzt, dass eine Durchschnitts-Wohnung inzwischen das Acht- bis Zehnfache eines durchschnittlichen Jahresgehalts kostet - liegt sie in Peking oder Shanghai, kostet sie das Dreißigfache eines Jahresgehalts.

Zum Vergleich: In den USA oder in Großbritannien lag der Preis der Wohnungen vor dem Platzen der Immobilienblase 2005 und 2007 "nur" zwischen dem Fünf- und Sechsfachen des Jahresgehalts. Chinas Führung versuchte in den vergangenen Jahren, genau diese Immobilien-Blase zum Abkühlen zu bringen, die Eigentümerschaft von mehr als einer Wohnung wurde etwa in manchen Regionen verboten oder die Kreditvergabe der Banken gedrosselt.

Doch spätestens seit 2008 ist die Schattenfinanzierung stark angesprungen - Kredite werden von privaten Kreditgebern unter Umgehung der üblichen Wege verliehen. Für die Kreditnehmer hat es sich kurzfristig ausgezahlt, der chinesische Häusermarkt hat in den vergangenen vier Jahren im Wert um - je nach Region - 100 bis 150 Prozent zugelegt.

"Ich bin mir sicher, dass sehr bald die Häuserpreise jedes Jahr um jeweils 25 Prozent fallen werden", meint der chinesische Ökonom Andy Xie.