Wien/Warschau.

Ein Totenkopf gegen das Aufreißen: Frankreich gilt nach Polen als das Land mit dem höchsten Schiefergasvorkommen in Europa. Doch nach vielen Demonstrationen hat Paris im Sommer den Abbau von Schiefergas mittels hydraulischem Fracturing verboten. - © Reuters
Ein Totenkopf gegen das Aufreißen: Frankreich gilt nach Polen als das Land mit dem höchsten Schiefergasvorkommen in Europa. Doch nach vielen Demonstrationen hat Paris im Sommer den Abbau von Schiefergas mittels hydraulischem Fracturing verboten. - © Reuters
(wak) Na Zdrowie - auf die Gesundheit! Auf die Unabhängigkeit. In Polen wird derzeit ein Glas nach dem anderen des nationalen Wodkas Marke Zubrowka (Büffelchen) gehoben: Man hat viel zu feiern: die zukünftige Unabhängigkeit von Russland, dessen Einfluss auf den kleinen Ostblock-Bruder Polen auch nach dem Zerfall der Sowjetunion weiterhin Realität ist. Denn wenn Russland die Gaspreise und die Lieferbedingungen diktiert, muss sich Polen fügen - das Land importiert 40 Prozent seines Gases aus Russland.

Doch das wird nach Ansicht der Polen 2014 ein Ende haben. Schiefergas heißt der Befreiungsschlag, in drei Jahren soll die professionelle Förderung beginnen. Denn in Polen wurden große Vorkommen dieses unkonventionellen Gases gefunden. Und während man in anderen europäischen Ländern noch über mögliche Umweltschäden diskutiert, lautet das Motto in Polen: Alles ist besser als die russische Gas-Herrschaft. In einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts CBOS im September sprachen sich 73 Prozent für die Ausbeutung der Schiefergas-Reserven im eigenen Land aus, 23 Prozent hatten keine Meinung und nur 4 Prozent waren dagegen. Umweltschützer warnen allerdings vor den Gefahren für das Trinkwasser. Denn das Schiefergas in Polen befindet sich in einer Tiefe von 1000 bis 2000 Metern - optimal zum Bohren und Fördern, doch in der Nähe des Grundwassers.

Halliburton und Chevron sind schon in Polen: Im Südosten des Landes, in der Nähe des Städtchens Lesniowice, hat der US-Riese Chevron auf dem Gelände Grabowiec 6 seinen ersten Schiefergas-Bohrturm errichtet (im Bild). Als Ausrüster mit dabei: Halliburton. - © REUTERS
Halliburton und Chevron sind schon in Polen: Im Südosten des Landes, in der Nähe des Städtchens Lesniowice, hat der US-Riese Chevron auf dem Gelände Grabowiec 6 seinen ersten Schiefergas-Bohrturm errichtet (im Bild). Als Ausrüster mit dabei: Halliburton. - © REUTERS

Sagenhafte 5,3 Billionen Kubikmeter Schiefergas sollen sich in einem Streifen von der Ostseeküste im Norden bis zur weißrussischen Grenze im Osten erstrecken. Eine Erschließung aller Gasvorkommen könnte Polen nicht nur unabhängig von Importen aus Russland machen, sondern auch zu einem Netto-Gasexporteur.

Gaspreis ist entscheidend


Der Fund in Polen wirft neue Begehrlichkeiten auf europäischen Boden - doch neu ist der im Gestein sitzende Rohstoff nicht. Die USA haben in den 1990er Jahren angefangen, Schiefergas ("Shale Gas"), das in Tongestein entsteht, professionell zu fördern.

In der Zwischenzeit haben die USA durch Schiefergas sogar ihre Erdgas-Importe ersetzt, die davor bei 25 Prozent lagen. Begonnen haben sie in den 1990er Jahren auf der Basis von reinem Risikokapital. Mitte der 1990er stieg dann der Gaspreis, während die USA unabhängig von Erdgas-Importen wurden. 2007 brach der Gaspreis wieder zusammen. Also fördern die USA heute mit der gleichen Technologie Erdöl aus Schiefergestein ("Shale Oil") wesentlich profitabler.