Es geht um die sattsam bekannte Bewerbung des Danone-Joghurts Actimel, das laut Werbespruch angeblich "die Abwehrkräfte stärkt". Deutsche Konsumenten zeichneten Danone dafür bereits mit dem "Goldenen Windbeutel" für die "dreisteste Werbelüge" aus, auch in anderen Ländern eckte der Konzern damit juristisch an. In Österreich stand Danone schon wegen irreführender Fruchtzwerge-Werbung vor Gericht.

Da die Milch, die der französische Weltkonzern für Actimel verwendet, nicht einmal aus Österreich, sondern aus Niedriglohn-Ländern wie Polen stammt, reagierte die AMA im Sinne der heimischen Bauern sauer und schaltete im Frühjahr Zeitungsinserate mit dem Spruch: "Jedes Joghurt stärkt die Abwehrkräfte".

Dies wollte Danone, das auf die besondere Wirkung des Actimel beigemengten "probiotischen Lactobacillus Casei Defensis" pocht, nicht gelten lassen und klagte auf Unterlassung. Nach Einforderung entsprechender Unterlagen entschied das damit befasste Handelsgericht Wien Anfang der Woche in erster Instanz im Sinne der Actimel-Hersteller: Die AMA darf ihre Joghurt-Botschaft vorerst nicht weiter verbreiten.

"Ein Etappensieg für Goliath Danone, nicht mehr. Wir werden in Rekurs gehen und weiterkämpfen", gibt sich AMA-Sprecherin Hermine Hackl siegessicher. Man habe ausreichend Studien namhafter Wissenschafter und Institute über die allgemein gesundheitsfördernde Wirkung von Joghurt beigebracht, was vom Gericht anscheinend nicht ausreichend gewürdigt werde.

Wirtschaftlich nüchterner Hintergrund des skurrilen Zwistes ist die EU-

"Health Claims"-Verordnung, nach der künftig nur noch Firmen gesundheitsbezogen werben dürfen, die das auch wissenschaftlich nachweisen können. Und entsprechende Studien am Menschen sind ebenso aufwendig wie teuer.

Werbung neu geregelt

Ernährungs-Fachleute wie Kurt Widhalm vom Wiener AKH gehen davon aus, dass Nahrungsergänzungsmitteln ("Functional Food") in einer zunehmend von "Fast Food" geprägten Ernährungslandschaft generell eine immer wichtigere Rolle zufalle. Allerdings biete dieser bisher viel zu wenig hinterfragte Sektor auch breiten Raum für Werbe-Schmäh und Placebo-Produkte. Laut Widhalm "kann auch ein noch so angereichertes Produkt eine gesunde und ausgewogene Ernährung nicht ersetzen".