• vom 09.06.2010, 19:00 Uhr

International

Update: 09.06.2010, 20:42 Uhr

Joghurt gegen Joghurt: AMA beruft gegen Danone-Urteil




  • Artikel
  • Lesenswert (0)
  • Drucken
  • Leserbrief





  • AMA sagt, jedes Joghurt ist gesund.
  • Danone hat das in erster Instanz verbieten lassen.
  • Wien. (wegro) Ginge es nicht (auch) um rund 40.000 österreichische Milchbauern, deren Produkte die AMA (Agrarmarkt Austria) vermarktet, könnte man über den derzeit eskalierenden Rechtsstreit Danone gegen AMA fast schmunzeln.

Es geht um die sattsam bekannte Bewerbung des Danone-Joghurts Actimel, das laut Werbespruch angeblich "die Abwehrkräfte stärkt". Deutsche Konsumenten zeichneten Danone dafür bereits mit dem "Goldenen Windbeutel" für die "dreisteste Werbelüge" aus, auch in anderen Ländern eckte der Konzern damit juristisch an. In Österreich stand Danone schon wegen irreführender Fruchtzwerge-Werbung vor Gericht.


Da die Milch, die der französische Weltkonzern für Actimel verwendet, nicht einmal aus Österreich, sondern aus Niedriglohn-Ländern wie Polen stammt, reagierte die AMA im Sinne der heimischen Bauern sauer und schaltete im Frühjahr Zeitungsinserate mit dem Spruch: "Jedes Joghurt stärkt die Abwehrkräfte".

Dies wollte Danone, das auf die besondere Wirkung des Actimel beigemengten "probiotischen Lactobacillus Casei Defensis" pocht, nicht gelten lassen und klagte auf Unterlassung. Nach Einforderung entsprechender Unterlagen entschied das damit befasste Handelsgericht Wien Anfang der Woche in erster Instanz im Sinne der Actimel-Hersteller: Die AMA darf ihre Joghurt-Botschaft vorerst nicht weiter verbreiten.

"Ein Etappensieg für Goliath Danone, nicht mehr. Wir werden in Rekurs gehen und weiterkämpfen", gibt sich AMA-Sprecherin Hermine Hackl siegessicher. Man habe ausreichend Studien namhafter Wissenschafter und Institute über die allgemein gesundheitsfördernde Wirkung von Joghurt beigebracht, was vom Gericht anscheinend nicht ausreichend gewürdigt werde.

Wirtschaftlich nüchterner Hintergrund des skurrilen Zwistes ist die EU-

"Health Claims"-Verordnung, nach der künftig nur noch Firmen gesundheitsbezogen werben dürfen, die das auch wissenschaftlich nachweisen können. Und entsprechende Studien am Menschen sind ebenso aufwendig wie teuer.

Werbung neu geregelt

Ernährungs-Fachleute wie Kurt Widhalm vom Wiener AKH gehen davon aus, dass Nahrungsergänzungsmitteln ("Functional Food") in einer zunehmend von "Fast Food" geprägten Ernährungslandschaft generell eine immer wichtigere Rolle zufalle. Allerdings biete dieser bisher viel zu wenig hinterfragte Sektor auch breiten Raum für Werbe-Schmäh und Placebo-Produkte. Laut Widhalm "kann auch ein noch so angereichertes Produkt eine gesunde und ausgewogene Ernährung nicht ersetzen".



Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)


Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2010-06-09 19:00:00
Letzte Änderung am 2010-06-09 20:42:00


Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. Harter Kampf in der Mobilbranche
  2. Das Ende des Kaufrausches
  3. Wie wir in Zukunft bezahlen können sollen
  4. Ministervorstoß für Tourismuszonen
  5. Zahl der Fusionen und Übernahmen auf Zehn-Jahres-Tief
Meistkommentiert
  1. Am Konjunkturhimmel ziehen mehr Wolken auf
  2. Strabags Prestige-Projekt kurz vor dem Aus
  3. Weniger Förderung treibt den Preis nach oben
  4. Erneut keine Einigung bei Handels-KV
  5. Wie wir in Zukunft bezahlen können sollen

Werbung



Quiz


Firmenmonitor







Werbung