Eben noch gänzlich eingeschneit, könnten Albaniens Wälder bald in fremden Besitz übergehen. - © APAweb/AP/Hektor Pustina
Eben noch gänzlich eingeschneit, könnten Albaniens Wälder bald in fremden Besitz übergehen. - © APAweb/AP/Hektor Pustina

Tirana. Albaniens Ministerpräsident Sali Berisha will mit der Privatisierung von Wäldern beginnen. "Ja, wir starten damit", sagte Berisha unter dem Hinweis auf Norwegen, das damit Erfolg gehabt habe. Und auch im Energiebereich will Berisha weitere Unternehmen zu 100 Prozent privatisieren, derzeit etwa das Mineralölunternehmen Alpetrol und fünf Wasserkraftwerke. Das Autobahnnetz soll ebenfalls ausgegliedert werden. An der Ausschreibung nehme auch die österreichische Strabag teil.

  "Ich bevorzuge Privatisierungen, private managen besser als der Staat", betonte Berisha, der als sein Vorbild den ehemaligen US-Präsidenten Ronald Reagan nannte. Als er 1992 in die Politik gekommen sei, habe er von Wirtschaft "Null-Ahnung" gehabt, so der ausgebildete Kardiologe.

Enormes Wirtschaftswachstum
  Albanien habe seit 2008 mit 18 Prozent das höchste Wachstum in Europa gehabt, von 2006 bis 2010 seien die ausländischen Direktinvestitionen um 316 Prozent gestiegen, die Exporte hätten sich von 2009 bis 2011 verdoppelt. Das Pro-Kopf-Einkommen liege schon bei rund 9.000 Dollar. Vor 21 Jahren, als er erstmals an die Regierung gekommen war, seien es nur 204 Dollar gewesen, verwies Berisha auf bisher erzielte Erfolge.

  Derzeit fokussiere die albanische Regierung ihre Arbeit auf drei Hauptbereiche: den Ausbau der Infrastruktur, die Land-Registrierung und den Ausbau der Wasserkraft, führte Berisha aus. Albanien habe weltweit die schlechteste Infrastruktur gehabt. Seit 2006 seien mehr als 9.000 Kilometer Straßen befestigt worden. Man arbeite an einem neuen Straßennetz, mit dem Ziel, das jeder Albaner, der nach Tirana will, 60 Prozent an Zeit einspart. Dieses Projekt werde man in maximal zwei Jahren beenden, so Berisha.

Heimische Unternehmen bereits vor Ort
  Derzeit seien schon etwas mehr als 50 Prozent der Albaner mit Strom versorgt, Österreich habe dabei sehr geholfen. Das Land verfüge über sehr viel Wasser. In den letzten vier Jahren seien 110 Verträge mit privaten Firmen zum Bau von über 320 Wasserkraftwerken abgeschlossen worden. Das größte Projekt mit einem Investitionsvolumen von über 1 Mrd. Dollar  werde von der EVN gemeinsam mit der norwegischen Statkraft errichtet. Auch der Verbund sei ja vertreten. Viele österreichische Unternehmen würden derzeit in Albanien arbeiten, darunter die UNIQA als führender Versicherer und Raiffeisen als führende Bank des Landes.

  Enormes Potenzial sieht Berisha im Tourismus. Von 2002 bis 2011 sei die Zahl der Besucher von 300.000 auf über 4 Millionen gestiegen, auch die Zahl der Unterkünfte habe sich deutlich erhöht. 45 Prozent der Familien verfügten über mehr als ein Haus. Kein Problem stelle die Sicherheit dar: Kein einziger Tourist habe deswegen Probleme gehabt. Die albanischen Daten bezüglich Schwerkriminalität seien geringer als im EU-Schnitt. Seit 2005 habe man 206 kriminelle Organisationen und 1.000 Bosse und Mitglieder in Albanien und weltweit aufgedeckt.

  Albanien verfügt laut Berisha - neben anderen Rohstoffen - auch über das größte On-Shore-Ölfeld Europas mit einer geschätzten Kapazität von 6 Mrd. Barrel. Das Interesse daran sei hoch.