Athen/Wien. Der Mega-Skandal rund um die alte Proton Bank (übersetzt: "Erste Bank") und ihren früheren Chef Lavrentis Lavrentiadis wird in einen spannenden Strafprozess münden. Wie das gut informierte und führende griechische Online-Portal "Greek Reporter" bereits am 4. März berichtete - und die "Süddeutsche Zeitung" fortschrieb -, hat der ermittelnde Athener Staatsanwalt Jannis Dragatsis eine 110 Seiten starke Anklageschrift dem Wirtschaftsstaatsanwalt Grigoris Peponis übermittelt. Denn das Ermittlungsverfahren wurde bereits vor Monaten beendet.

Lavrentiadis, vier weitere Bankmanager und 15 Firmenmanager sollen des Betruges am Staat, der Mitgliedschaft in einer kriminellen Organisation und der Geldwäsche angeklagt werden. Im Mittelpunkt des Verdachts steht die Vergabe von Darlehen in Höhe von 701 Millionen Euro, welche die Proton Bank an den Rand des Ruins brachten. Die Bank musste mit Staatshilfe aufgefangen werden.

Die Gelder sollen unter anderem an Unternehmen geflossen sein, die Lavrentiadis direkt oder indirekt kontrolliert. Ermittlungsleiter Jannis Dragatsis empfiehlt seinem Kollegen Grigoris Peponis laut "Greek Reporter" auch, Lavrentiadis wegen Veruntreuung von 54 Millionen Euro anzuklagen und sechs Vorstände der Gesundheitsunternehmens Alapis wegen Geldwäsche zu verfolgen. Alapis steht ebenfalls im Einflussbereich von Lavrentiadis.

Indes soll der Skandalbanker bereits 51 Millionen Euro an die neue Proton Bank zurückgezahlt haben, weitere 160 Millionen Euro ließ die griechische Justiz auf Schweizer Konten einfrieren.