Teheran/Wien. Irans Wirtschaft leidet massiv unter den westlichen Strafmaßnahmen wegen des Atomstreits und sucht verzweifelt nach Auswegen aus der wirtschaftlichen Isolation. Mit der Verschärfung der EU-Sanktionen am vergangenen Wochenende wird dieses Unterfangen allerdings immer schwieriger.

Das Hauptproblem ist der Bankensektor, weil die Perser für ihre aus dem Ausland gekauften Güter kaum noch bezahlen können. Inzwischen wurde mit der Tejarat Bank das drittgrößte iranische Geldinstitut auf die schwarze Liste der USA gesetzt. So stehen derzeit alle iranischen Großbanken auf einer schwarzen Liste in den USA oder der EU. Was bleibt, sind nur noch einige Kleinbanken, die noch nicht sanktioniert sind.

Zusätzlich hat die EU vorige Woche weitere 17 Verantwortliche für schwere Menschenrechtsverstöße, darunter Justizchef Sadegh Larijani, mit Einreiseverboten und Kontosperren belegt. Damit erhöht sich die Liste der sanktionierten Personen auf 78.

Mehrere Arbeitsgruppen im Öl-, Wirtschafts- und Außenministerium setzen nun zum Gegenschlag an. Dabei werden zwei Strategien verfolgt: Durchhalteparolen der Führung und die immer wiederkehrende Beteuerung, man habe die wirtschaftliche Lage im Griff und das "EU-Ersatzprogramm" zur Kompensation der Sanktionen funktioniere.

Bevölkerung spürt "Aufschwung" nicht

Die Fakten: Die iranischen Wirtschaftszahlen, die vom Internationalen Währungsfonds (IWF) für 2011 veröffentlicht wurden, sehen auf den ersten Blick sehr positiv aus. Der IWF spricht von 2,5 Prozent Wirtschaftswachstum und 78 Milliarden Euro Ertrag aus Energieexporten. Doch von dem "Aufschwung" bekommen die Perser selbst nichts mit. Die Regierung rund um Präsident Mahmoud Ahmadinejad weiß das, und so ist es sicherlich kein Zufall, dass die Zentralbank seit drei Jahren keine Statistiken mehr über das Wachstum des Bruttosozialprodukts und der Inflationsrate veröffentlicht hat. Der IWF beziffert die Inflationsrate für 2011 mit 22,5 Prozent. Die Ausfuhr von Öl und Gas macht fast 80 Prozent der iranischen Exporte aus, allerdings nur ein Fünftel der gesamten Volkswirtschaft.

Hauptschwerpunkt des "EU-Ersatzprogramms" ist die Idee, dass Wirtschaftsschwerpunkte außerhalb des EU-Raumes gesetzt werden. Passend hierzu hat Ahmadinejad am Sonntag mit den Präsidenten Pakistans, Tadschikistans und Afghanistans ein Abkommen zur Intensivierung der Handelsbeziehungen abgeschlossen. Weitere Verträge mit anderen Ländern sollen folgen. Auch die UN-Vetomächte Russland und China geben der iranischen Führung Rückendeckung und haben schon mehrfach bekräftigt, dass sie keinen weiteren UN-Sanktionen zustimmen würden.