Berlin. Die schwäbische Hausfrau mag es gut meinen - doch laut dem Wirtschaftswissenschaftler Stephan Schulmeister führt ihr Modell nicht immer zum Erfolg. Übertragen auf Europa heißt das: Der EU-Fiskalpakt mit seiner strikten und gleichgeschalteten Sparpolitik führe zu einer "dauernden Dämpfung des Wachstums". Das betrifft - weniger hart - auch Österreichs wichtigsten Exportpartner Deutschland: Zum einen gehen mehr als 40 Prozent der deutschen Exporte in den Euroraum. Zum anderen muss Deutschland laut der Fiskalpakt-Regeln den Staatshaushalt um jährlich 1,1 Prozent des Bruttoinlandprodukts verbessern, was wiederum die Einkommen dämpft und damit den Konsum und die Importe.

Doch was passiert, wenn nicht gespart würde? Nicht viel, wenn man auf die Staatsschulden blickt, hat Schulmeister in einem Modell errechnet.

Demnach liegt im Jahr 2016 die Staatsschuldenquote bei 87 Prozent des Bruttoinlandprodukts, wenn gespart wird, und bei 86 Prozent, wenn das nicht der Fall ist.

"Man muss bei den Wurzeln ansetzen, beim Zinsniveau", sagte Schulmeister am Donnerstag in Berlin. Spekulationen trieben die Zinsen für griechische, irische, portugiesische, spanische und italienische Staatsanleihen ab dem Herbst 2009 in "unfinanzierbare Höhen" - während die Zinsen für ehemalige Hartwährungsländer, die eine restriktive Lohnpolitik verfolgt hatten, sanken.

In seiner Modellrechnung nimmt Schulmeister nun ein langfristiges Zinsniveau von 2 Prozent an, wie gegenwärtig in den USA. Erreicht würde das mit gemeinsamen Staatsanleihen, sogenannten Eurobonds. Unternehmen hätten wieder mehr Vertrauen, eine sinkende Arbeitslosenquote und stabile Verbraucherpreise wären die Folge - anders, als wenn der Fiskalpakt strikt eingehalten würde, so Schulmeister. "Das Sparparadox steht in jedem Lehrbuch. In Europa ist das aber in Vergessenheit geraten." Ländern, denen es bereits schlecht geht, werde es mit dem Fiskalpakt noch schlechter gehen.

Ganz anders beispielsweise in den USA und in Japan: Dort werde eine "wesentlich erfolgsversprechendere Strategie verfolgt als im Euroraum", sagte Gustav Horn, Direktor des deutschen Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK), in der gemeinsamen Pressekonferenz. Das Wachstum falle dort stärker aus, obwohl beide Länder höher verschuldet seien. Den Ankauf von Staatsanleihen übernimmt in der Vorstellung von Horn und Schulmeister am besten ein Europäischer Währungsfonds. So würde die "Machtkonzentration" in der Europäischen Zentralbank nicht zu groß.