Wien. (wak) Stabiler als zuletzt ist der Ausblick für die Wirtschaft, meinen die österreichischen Wirtschaftsforschungsinstitute Wifo und IHS. Natürlich könne immer noch ein starker negativer Schock wie der Zusammenbruch einer großen Bank oder eine erneute Verschärfung der Vertrauenskrise auf den Finanzmärkten wieder zu einem massiven Wirtschaftseinbruch führen. Ansonsten geht es für die österreichische Wirtschaft langsam bergauf - das Wifo sieht 0,4 Prozent Wachstum 2012 (IHS: 0,8) und 1,4 Prozent (IHS: 1,7 Prozent) für 2013.

Grund für die in Prozentpunkten abweichende Prognose ist zum Teil die unterschiedliche Einschätzung der deutschen Entwicklung, Österreichs wichtigstem Handelspartner. Das IHS geht davon aus, dass die größte Volkswirtschaft Europas 2012 um ein Prozent wächst, während das Wifo, das seine Prognose zusammen mit dem deutschen gewerkschaftsnahen Wirtschaftsinstitut IMK erstellt hat, nur von 0,3 bis 0,5 Prozent ausgeht. Das IHS stützt sich bei seiner optimistischen Einschätzung hingegen auf den deutschen Manufacturing-Index von Ifo, der seit Dezember einen starken Aufwind zeigt.

Für die globale Wirtschaft kommen "die Impulse nicht mehr aus Südamerika und China, die ein langsameres Wachstum verzeichnen", meint IHS-Chef Bernhard Felderer. Treiber seien vielmehr die USA (die jetzt im ersten Quartal 2,9 Prozent zugelegt haben) und Deutschland.

Ähnlich sieht es die Organisation der Industrienationen (OECD) in ihrem aktuellen Interimsreport: In den USA ist der Wachstumspfad deutlich robuster als in Europa. Der Konjunkturmotor in den USA springt langsam an und hat es verhältnismäßig leicht: Es gebe sehr viele Arbeitskräfte in den USA, die "bereit sind, zu jedem Preis zu arbeiten", meint Wifo-Chef Karl Aiginger. Eine ähnliche Entwicklung sei in Deutschland auszumachen, Aiginger spricht von einer "Durchamerikanisierung" aufgrund der Senkung des Lohnniveaus und den Hartz-IV-Maßnahmen. "Ob eine solche Entwicklung wünschenswert ist, ist eine andere Frage."

Rezession in Eurozone

Die Wirtschaft der Eurozone wird nach Ansicht von Wifo und IHS heuer um 0,2 Prozent schrumpfen, wobei sich die Länder Europas immer mehr auseinanderentwickeln. Über vier Jahre kumuliert liege die Spanne zwischen einem Rückgang der Wirtschaft um 17 Prozent in Griechenland und einem Anstieg um 13 Prozent in Polen.

"Ich kann mich nicht erinnern, dass wir in Europa je so starke Unterschiede hatten", meint der lang gediente IHS-Chef Felderer, der mit Anfang Juni seinen Posten an Christian Keuschnigg übergibt.

Seine letzte Pressekonferenz als IHS-Chef nutzte Felderer zu einem kleinen Geplänkel mit Aiginger - diesmal zur Finanztransaktionssteuer. Während Aiginger diese als "sinnvoll" qualifizierte, sind für Felderer alle Steuern Konjunktur-Bremsen. Allerdings hätte es laut Felderer schlimmer kommen können - etwa mit einer Erhöhung der Mehrwertsteuer oder Lohnabgabe.

Nationalen Alleingängen bei der Finanztransaktionssteuer kann aber auch Aiginger nichts abgewinnen, wenngleich er zu bedenken gibt, dass die 27-EU-Länder sehr wohl bereits Alleingänge bei der Bankensteuer beschreiten: "Die Bankensteuer ist selbst eine Notsteuer. Da wäre es mir lieber, wenn die in die Finanztransaktionssteuer eingebettet wäre."