Leipzig/Storkwitz. (dpa) Während China mit dem Rest der Welt um Seltene Erden streitet, will ein sächsisches Unternehmen ein wenig auf dem Milliardenmarkt dieser extrem begehrten Metallrohstoffe mitmischen. Die kleine Gemeinde Storkwitz in Nordsachsen hat berechtigte Hoffnung, die einzige wirtschaftlich nutzbare Seltene-Erden-Lagerstätte Mitteleuropas zu werden. Dass unter ihr die Bodenschätze schlummern, weiß man - nur wie viel davon? Mitte April sind Probebohrungen geplant. Sie sollen zeigen, ob sich der Abbau wirklich lohnt.

Seltene Erden - dahinter verbergen sich 17 Metalle. In Storkwitz wurden unter anderem leichte Seltene Erden wie Cer, Lanthan, Praseodym und Neodym nachgewiesen, aber auch schwere Seltene Erden wie Europium und Yttrium. Ohne diese Metalle kann so gut wie kein Gerät der High-Tech-Industrie gebaut werden. China hat mit fast 90 Prozent der weltweiten Förderung praktisch ein Monopol auf die Rohstoffe. Vor einem Monat haben die EU, Japan und die USA wegen Exportbeschränkungen bei Seltenen Erden eine Klage bei der WTO gegen China eingebracht.

Alle Beteiligten in Nordsachsen geben sich vorsichtig optimistisch. Die Storkwitz AG, eine Tochter-Firma der Deutschen Rohstoff AG, hat die Federführung bei dem Projekt. "Erst nach Abschluss der Untersuchungen kann entschieden werden, ob es wirtschaftlich ist, dort mit dem Abbau zu beginnen", sagt der Sprecher der Deutschen Rohstoff AG, Horst Koppelstätter.

Vorkommen meist zu klein


Seltene Erden sind für die Wirtschaft enorm wichtig, finden sich aber nur vereinzelt in einer so ausreichenden Konzentration, dass sich ihr Abbau rentiert.

Der Bodenschatz unter Storkwitz wurde schon zu DDR-Zeiten bei Uranbohrungen der SDAG Wismut zufällig entdeckt. Der Delitzscher Oberbürgermeister Manfred Wilde ist gespannt, was die kommenden Untersuchungen ergeben werden. "Natürlich haben wir die Hoffnung, dass sich die Ergebnisse aus den 1970er Jahren bestätigen." Damals schätzte die SDAG Wismut die mögliche Menge der Seltenen Erden auf 136.000 Tonnen. Die Deutsche Rohstoff AG geht aber erst einmal von nur 42.000 Tonnen aus.

"Es macht sicherlich Sinn, das Potenzial unter Storkwitz zu erkunden, aber bisher scheint das ein doch sehr kleiner Rohstoffkörper zu sein, der gerade einmal ein bis zehn Prozent der durchschnittlichen Lagergröße ausmacht", meint Jens Gutzmer, Professor für Lagerstättenlehre und Petrologie an der TU Freiberg.

Gutzmer weist auch daraufhin, dass derzeit weltweit 400 Erkundungsbohrungen zu Seltenen Erden durchgeführt werden und der Abbau sehr kostspielig wäre. Auch die Deutsche Rohstoff AG will keine allzu großen Hoffnungen schüren: "Erst müssen wir die Daten sorgfältig prüfen und auswerten und dann können frühestens im Herbst 2012 genaue Aussagen über einen möglichen Abbau getroffen werden", sagt Firmensprecher Koppelstätter.

Die deutsche Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe schätzte im Jahr 2009 den Gesamtverbrauch der Seltenen Erden für das Jahr 2012 auf 189.000 Tonnen und ihren Marktwert auf rund 2 Milliarden US-Dollar (1,53 Milliarden Euro).