Nokia bleibt im Tal der Tränen. - © APAweb/AP/Frank Augstein
Nokia bleibt im Tal der Tränen. - © APAweb/AP/Frank Augstein

Helsinki. Die Rettung des wankenden Handy-Weltmarktführers Nokia verläuft schleppend. Das Kerngeschäft der Finnen mit Mobiltelefonen steckt trotz der laufenden Smartphone-Offensive in roten Zahlen fest, der Umsatz sackte ab. Die Aktie brach zeitweise um gut 18 Prozent auf 3,14 Euro ein. Nokia will jetzt geplante Sparmaßnahmen noch schneller umsetzen und hält sich auch weitere radikale Schritte offen.

  Nokia versucht gerade ein Comeback im Smartphone-Markt mit neuen Geräten auf Basis des Microsoft-Betriebssystems Windows Phone. In vielen Testberichten erhielten die neuen Geräte gute Noten, doch in den Geschäften sind sie keine Bestseller: Im ersten Quartal wurde zwei Millionen Smartphones der Marke Lumia verkauft, teilte Nokia jetzt mit. Zum Vergleich: Apple setzte im Weihnachtsquartal 37 Millionen seiner iPhones ab. Zudem macht Nokia weniger Gewinn pro Telefon: Der durchschnittliche Preis eines Lumia-Smartphones lag bei 220 Euro - deutlich niedriger als bei aktuellen iPhone-Modellen.

Microsoft-System brachte keinen Durchbruch
  Nokia macht zu schaffen, dass vor allem in der westlichen Welt einfache Handys immer mehr von Smartphones verdrängt werden. Das Geschäft mit den Computer-Handys wird aber von Apples iPhone und dem Google-Betriebssystem Android dominiert. Nokias betagte Symbian-Plattform befindet sich hingegen auf dem absteigenden Ast. Um wieder Anschluss zu finden, brachte Nokia im vergangenen Herbst die ersten Modelle der Lumia-Reihe mit Windows Phone auf den Markt. das Microsoft-System muss sich allerdings erst von einem Marktanteil um rund zwei Prozent hocharbeiten. Auch bei günstigen einfachen Telefonen - bisher einer Nokia-Domäne vor allem in Entwicklungsländern - bekommen die Finnen aber immer mehr Konkurrenz.

  Nokia gab am Mittwoch überraschend bekannt, dass im ersten Quartal die angepeilten Gewinnziele verfehlt wurden. Die operative Gewinnmarge - das Verhältnis von Umsatz und Ergebnis - lag bei minus drei Prozent lag statt der angepeilten Null-Linie. Im zweiten Vierteljahr werde sie bestenfalls gleich oder noch niedriger sein. Ein Grund für das schwache Abschneiden sei die "Wettbewerbsdynamik in der Branche", die unter anderem den Absatz in Indien, China und Afrika gebremst habe.

Umsatzeinbruch auf 4,2 Milliarden Euro
  Insgesamt verkaufte Nokia im ersten Quartal 71 Millionen einfache Handys und 12 Millionen Smartphones, was die Sparte Geräte und Dienste auf einen Umsatz von 4,2 Milliarden Euro brachte. Vor einem Jahr hatte der Bereich noch Erlöse von knapp 7,1 Milliarden Euro ausgewiesen. Die Quartalszahlen im Detail wird Nokia am 19. April vorstellen.

  Wenige Stunden zuvor hatte Nokia noch optimistisch in die Zukunft geschaut und ein neues Lumia-Modell angekündigt, das mobilen Bezahldiensten einen Schub geben soll. Die Version des Einsteiger-Smartphones Lumia 610 bekommt einen NFC-Funkchip, über den kontaktlos bezahlt werden kann. Das System sei für entsprechende Dienste der beiden großen Kreditkarten-Anbieter MasterCard und Visa zertifiziert. Das Gerät mit soll zu Beginn des dritten Quartals auf den Markt kommen, zunächst beim Mobilfunk-Anbieter Orange.