Tokio. Als erstes Land außerhalb Europas hat Japan einen konkreten Betrag zur Stärkung des Internationalen Währungsfonds (IWF) im Kampf gegen die Schuldenkrise in Aussicht gestellt. Die Regierung in Tokio wolle dem Fonds mit Kreditlinien in Höhe von 60 Milliarden Dollar zu mehr Schlagkraft verhelfen, sagte Finanzminister Jun Azumi am Dienstag vor Journalisten.

Azumi hoffe, dass das Beispiel Schule mache. Dem IWF müsse der Weg geebnet werden, eine Ausbreitung der Schuldenkrise über Europa hinaus zu verhindern, fügte der Minister wenige Tage vor wichtigen Treffen von IWF, Weltbank und der Gruppe der 20 größten Industrie- und Schwellenländer (G20) hinzu. IWF-Chefin Christine Lagarde würdigte Japans Engagement und forderte die Mitgliedsländer des Fonds auf, diesem Beispiel zu folgen.

Der IWF erwartet zusätzliche Mittel von mehr als 400 Milliarden Dollar zur Bekämpfung der Krise. Lagarde äußerte in der italienischen Finanzzeitung "Il Sole 24 Ore" die Hoffnung, dass in dieser Woche eine entsprechende Aufstockung der Mittel des Fonds in die Wege geleitet werde. Im Jänner hatte der IWF noch 600 Milliarden Dollar neue Mittel beantragt. Wegen des Widerstands der USA und der Zurückhaltung wichtiger Schwellenländer dürfte sich eine Einigung auf diese Summe allerdings schwierig gestalten. In der vergangenen Woche hatte Lagarde zudem eingeräumt, dass angesichts sinkender Wirtschaftsrisiken auch geringere Mittel ausreichen könnten. Die Euro-Staaten haben bereits rund 200 Milliarden Dollar zugesichert, andere EU-Länder wollen weitere 50 Milliarden Dollar beisteuern.

Von Donnerstag bis Sonntag finden die Frühjahrstagungen von IWF und Weltbank statt. Parallel dazu kommt es zum Treffen der Finanzminister der führenden 20 Industrie- und Schwellenländer (G20). "Ich bin bereit, die Angelegenheit für einige Wochen offenzulassen. Manche Länder brauchen ein bisschen mehr Zeit für die Zustimmung der Parlamente", ergänzte Lagarde.

USA wollen keine Mittel zur Verfügung stellen
Im Vorfeld der US-Präsidentenwahlen und angesichts des riesigen Haushaltsdefizits weigert sich die Regierung in Washington, dem IWF weitere Mittel zur Verfügung zu stellen. Schwellenländer wie China, Brasilien und Russland knüpfen ihre Beiträge an mehr Einfluss in internationalen Finanzorganisationen. (Reuters)