Budapest. Der ungarische Energiekonzern MOL will sich offenbar aus dem internationalen Konsortium zurückziehen, das die Gaspipeline Nabucco plant. Mit dem neuen Transportweg soll sich Westeuropas Abhängigkeit von russischen Erdgaslieferungen deutlich vermindern. Es gebe zahlreiche Unwägbarkeiten, reagierte die MOL-Geschäftsführung auf eine Anfrage des Online-Portals portfolio.hu. Obwohl Nabucco nun schon ein knappes Jahrzehnt in Planung sei, ließen sich die Gesamtkosten des Vorhabens noch immer nicht abschätzen. Auch sei längst nicht sicher, woher das über Nabucco zu befördernde Erdgas kommen solle.

Zum Nabucco-Konsortium gehören außer MOL auch die österreichische OMV, die türkische Botas, die rumänische Transgaz, die bulgarische BEH und die deutsche RWE. Im Jänner wurde schon bekannt, dass sich die Deutschen zurückziehen wollten.

Unterdessen betonte Ungarns Ministerpräsident Viktor Orban, im Kabinett würden derzeit mehrere Alternativen geprüft, dank derer Ungarn nicht mehr von Erdgaslieferungen aus Russland abhängig wäre. Dazu gehörten eine Gaspipeline zwischen der Slowakei und Ungarn oder die Versorgung mit Erdgas über Kroatien.

OMV plant "Nabucco West"


MOL würde sich mit einem Ausstieg bei Nabucco weiter gegen westliche Unternehmen, insbesondere die OMV, positionieren. Zuletzt war der Streit um die geplante Verlängerung der Ölpipeline Druzba nach Schwechat wieder aufgeflammt. Die slowakische MOL-Tochter Slovnaft lehnt diese ab, "weil Tschechien weniger verlässliche Öllieferungen aus Russland in Kauf nehmen müsste und der Ausbau nur österreichischen Interessen dient". Stattdessen plädiert die Unternehmensführung für eine Verbindung zwischen der Slowakei und Ungarn und damit den Anschluss der Slowakei an die Adria-Pipeline.

Die OMV arbeitet an der Variante "Nabucco West", die wesentlich kürzer als die bisher geplante Gaspipeline ist und "in Partnerschaft mit der Türkei Erdgas von der bulgarisch-türkischen Grenze über Österreich in die europäischen Märkte bringen" soll. Die Pipeline würde sich am Verlauf der bisher bis zur Osttürkei geplanten Pipeline orientieren.