1800 Kilometer an neuen Stromleitungen - 24 verschiedene Projekte - waren bereits vor dem Atomausstieg vorgesehen. Aus den dabei aufgetretenen Problemen will man nun für den zusätzlichen Bedarf lernen. Denn die wenigsten Projekte liegen im Zeitplan. Laut Bundesnetzagentur sind bisher 214 von 1800 Kilometer fertig und 100 Kilometer davon in Betrieb. Einmal hapert es an der Planung des Netzbetreibers, dann wieder an den unterschiedlichen Raumordnungsverfahren - oder an den Bürgern.

"Ab in die Erde 380 Kilovolt": Hunderte gelbe Pfeile sind im Leinebergland in Niedersachsen zu sehen. Niedersachsen soll ein bedeutendes Stromtransitland werden. Doch die Bewohner der Gemeinde Kreiensen haben Angst vor der geplanten Hochspannungsleitung. Sie fürchten unter anderem Elektrosmog. Die "Wutbürger von Kreiensen", wie sie genannt werden, fordern, das Netz unterirdisch zu verlegen. Die Mehrkosten sollten der Netzbetreiber und seine Eigentümer, darunter RWE, übernehmen.

Die Bundesländer kochen ihr eigenes Süppchen

Wie viele Kilometer an neuen Leitungen durch die deutsche Energiewende überhaupt benötigt werden, ist noch unklar - auch, weil die Bundesländer ihr eigenes Süppchen kochen und unterschiedliche Konzepte haben. Einzelne Regionen sind viel weiter und leben bereits möglichst energieautark, produzieren also ihren Bedarf selbst.

Es ist nicht die einzige Baustelle der Energiewende. Auch über einen Standort für den Atommüll wird gestritten. Und die Länderkammer blockiert das Vorhaben der Regierung, Hausbesitzer über Abschreibungsmöglichkeiten dazu zu bringen, in moderne Heizanlagen zu investieren - den Ländern entgehen dadurch nämlich Steuereinnahmen von 1,5 Milliarden Euro. Dass zudem der Ökostromausbau die Privatkunden im Verhältnis stärker belastet als große Unternehmen, missfällt unter anderem der Opposition.

Ob die nun geplanten halbjährlichen Koordinierungsgesspräche zwischen Bund und Ländern viel bringen, bezweifelt so mancher. Einig sind sich mittlerweile aber fast alle Akteure: Viel mehr Abstimmung und eine ordnende Hand sind nötig.