Paris/Accra. (wak) Auf dem Papier sind die Zahlen für den schwarzen Kontinent positiv. Insgesamt ist die Wirtschaft in Afrika 2011 um rund 3,4 Prozent gewachsen, schätzt der aktuelle "African Economic Outlook" der OECD. Und das, obwohl die Wirtschaft in Nordafrika aufgrund der Umstürze und Bürgerkriege praktisch stagnierte - diese Region ist auf dem riesigen Kontinent für ein Drittel der Wirtschaftsleistung verantwortlich.

Dass der Kontinent trotz der Ausfälle von Libyen und Tunesien ein Wachstum verzeichnen konnte, liegt an den noch immer relativ hohen Rohstoffpreisen - der Rohstoffexport bleibt der wichtigste Wirtschaftszweig. Doch davon profitieren nur wenige.

"Der Kontinent erlebt ein Wachstum ohne Jobs", meint Mthuli Ncube, Chefökonom und Vizepräsident der African Development Bank (AfDB). "Das ist die inakzeptable Realität."

Betroffen sind - auch in Afrika - vor allem junge Menschen. Der Unterschied zu Europa ist die demographische Entwicklung. "Im Jahr 2045 wird sich die Zahl der Jugendlichen verdoppelt haben", so der Report. "Arbeitsplätze für die rasch wachsende Bevölkerung zu schaffen wäre der Schlüssel zu zukünftigem Wohlstand."

Neu ist das Problem nicht: In den Jahren der Hochkonjunktur zwischen 2000 und 2008 wuchs kein Kontinent so rasch wie Afrika. Trotzdem wurden in demselben Zeitraum nur 16 Millionen Jobs für junge Menschen geschaffen. Derzeit machen Afrikaner zwischen 15 und 24 Jahren rund 60 Prozent der Arbeitslosen aus. Von diesen 40 Millionen Betroffenen haben laut dem Report schon mehr als die Hälfte die Hoffnung aufgegeben, eine Arbeit zu finden - die meisten davon Frauen.

Der Report, der gemeinsam von OECD, AfDB und UN-Abteilungen (UNDP und UNECA) erstellt worden ist, warnt davor, dass die arbeitslosen Jugendlichen eine Bedrohung der Stabilität darstellen könnten.

"Jugendarbeitslosigkeit ist dabei vor allem ein Problem in den Staaten mit mittleren Einkommen wie in Südafrika oder in der nordafrikanische Region. Obwohl die Jugendlichen besser ausgebildet sind, findet nur eine Minderheit Arbeit", erklärt Mario Pezzini, Direktor des OECD-Entwicklungszentrums. Das Problem gebe es in den Ländern mit niedrigem Einkommen nicht: Dort sei Arbeit vorhanden, allerdings werde sie kaum bezahlt.

Anders als befürchtet, nahmen die Gelder für Entwicklungshilfe nach Afrika nicht ab, sondern blieben 2011 konstant. Entwicklungshilfe war für die 20 ärmsten afrikanischen Länder (der Kontinent zählt 54 Staaten) noch immer die Haupteinnahmequelle von außen.