Wien. Während sich viele Österreicher im Urlaub nach Hitze sehnen, schätzen arabische Reisende die kühleren Temperaturen, die grüne Natur und das Wasser in der Alpenrepublik. Zu den beliebtesten Destinationen zählt neben Wien die Region Zell am See-Kaprun. "Hier gibt es Wasser in allen Varianten: gefroren am Kitzsteinhorn, als Wasser im See und als Regen", sagt Gerd Gfrerer, Chef des Mehrwertsteuer-Rückerstatters Global Blue in Österreich.

Die Hochsaison für Urlauber aus arabischen Ländern läuft gerade an, heißt es von der Österreich Werbung (ÖW): "Vor allem Hochzeitsreisende und Paare ohne schulpflichtige Kinder reisen bereits." Der große Schwung wird mit Ferienbeginn Ende Juni erwartet. Nahezu alle Gäste werden vor Beginn des Ramadan am 20. Juli heimreisen, weil zuhause gefastet wird.

Reisefreie Fastenzeit rutscht immer mehr in Hauptsaison

Weil der Beginn des islamischen Fastenmonats von der Sichtung der Mondsichel abhängt, verschiebt sich der Ramadan jedes Jahr um rund elf Tage nach vorne. Daher wird für heuer nach dem Ramadan-Ende eine zweite Hochsaison erwartet, wie es im Vorjahr zum ersten Mal der Fall war.

Der Großteil der Urlauber aus Ländern wie den Vereinigten Arabischen Emiraten, Saudi-Arabien, Qatar und Kuwait kommt im Sommer nach Österreich. Weil die reisefreie Zeit in den nächsten Jahren immer weiter in die Hauptsaison rückt, bewirbt die ÖW verstärkt ganzjährig durchführbare Kurztrips mit Kultur und Natur. Als Nächstes wird in Dubai das Ötztal ins Rampenlicht gerückt.

Der arabische Raum ist für den österreichischen Tourismus einer der am schnellsten wachsenden Auslandsmärkte: In den vergangenen zehn Jahren haben sich die Ankünfte fast verfünffacht. Dazu beigetragen hat der Ausbau der Direktflüge, auch die Visaanträge wurden vereinfacht. Die Nächtigungen stiegen von 400.000 im Jahr 2010 auf rund 530.000 im Vorjahr, die Gästeankünfte kletterten im gleichen Zeitraum von 120.000 auf 160.000.

Die Urlauber aus arabischen Ländern stellen damit eine kleine, aber spendable Gruppe dar: Sie geben laut ÖW 75 Prozent mehr als der Durchschnittsgast für die Beherbergung aus. Mehr als drei Viertel übernachten in Vier- und Fünf-Stern-Hotels. Weil Araber laut Gfrerer oft in Gruppen von rund 50 Personen - inklusive Bediensteten - reisen, mieten sie oft gleich eine ganze Etage.

Beim Einkaufen "wird nicht gefeilscht"

Beim Einkaufen - ob auf dem Wiener Kohlmarkt oder bei Ausflügen nach München oder Mailand - "werden Luxus-Marken von Prada bis Gucci gekauft. Gefeilscht wird nicht", sagt Gfrerer. Der Durchschnittsbetrag pro Einkauf beträgt 354 Euro. Am beliebtesten sind Mode, Uhren und Schmuck. "Gefällt eine Tasche, kann es sein, dass eine arabische Kundin sie auch in den anderen drei Farben kauft - auch wenn sie 1000 bis 2000 Euro kostet."

Im Durchschnitt bleiben Urlauber aus dem arabischen Raum 3,3 Nächte in Österreich - oft verbunden mit einer Europareise. Auch die Stadt Salzburg verzeichnet "kontinuierlich starke Steigerungen" bei Gästen aus den Vereinigten Arabischen Emiraten, sagt Birgit Weszelka von Tourismus Salzburg. Der Aufenthalt werde fürs Einkaufen oder für Ausflüge ins Salzkammergut genutzt.

Geschätzt werden familienfreundliche Angebote und ein 24-Stunden-VIP-Service, heißt es von der ÖW. "Wenn sich arabische Gäste nicht wohlfühlen, kommen sie nicht wieder", sagt Gfrerer. Viele Betriebe haben sich auf die Urlauber eingestellt: Zell am See-Kaprun bietet wie große Hotels in der Region die Webseite in arabischer Sprache an. Ebenso werden Speisekarten auf Arabisch sowie nach islamischem Recht erlaubtes (Halal-)Essen angeboten. Hotels sind jedoch diskret, was die kaufkräftige Kundschaft angeht: "Wir erteilen keinerlei Auskünfte zum Schutz unserer Gäste", heißt es.