Wien. (sf) Der Exportweltmeister China leidet unter der Konjunkturschwäche in seinen wichtigsten Absatzmärkten EU und USA. Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) warnte am Montag, dass die Wirtschaft in den größten Schwellenländern schwächelt: "Die Bewertungen für China und Indien haben sich seit dem vorigen Monat deutlich geändert", hieß es im Ausblick. Der OECD-Frühindikator für China fiel im April um 0,3 auf 99,1 Punkte. Er entfernte sich damit weiter von der 100-Zähler-Marke, die den langjährigen Durchschnittswert markiert.

"China ist längst ein Global Player geworden und hängt von Europa und den USA ab", sagte Oskar Andesner, österreichischer Wirtschaftsdelegierter in Peking, am Montag in Wien. Nach einem Exportplus von 20 Prozent ist das Wachstum bei den chinesischen Ausfuhren heuer kleiner geworden. Mit 8,2 Prozent wird Chinas Wirtschaftsleistung heuer so langsam wachsen wie seit dem Jahr 1999 nicht mehr.

"Hungrig nach Technologie"

Die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt will weniger von Exporten abhängig werden und den Binnenkonsum stärken, so Andesner. Um die Nachfrage im eigenen Land zu fördern, wurde der Zugang zu Krediten gelockert, zudem werden bis 2015 die Mindestlöhne um 13 Prozent pro Jahr angehoben. Aufgrund der steigenden Löhne wandern jedoch Firmen - vor allem aus der Textilindustrie - in Länder mit noch niedrigeren Löhnen wie Kambodscha, Laos und Vietnam ab.

Die Volksrepublik hat indes ihre Direktinvestitionen in Europa im Vorjahr auf 4,3 Milliarden US-Dollar verdoppelt. "China ist hungrig nach Technologie, und hier ist Europa - besonders Deutschland - sehr interessant", sagt Andesner.

Österreich liefert vor allem Maschinen und Spezialanlagen, etwa für die Papier- und Autozulieferindustrie, nach China. Die Exporte von Österreich nach China stiegen im Vorjahr lediglich um vier Prozent auf 2,9 Milliarden Euro, nach einem Zuwachs von knapp 40 Prozent im Jahr zuvor. Die Importe legten 2011 dagegen um 17,7 Prozent auf 6,4 Milliarden Euro zu, wodurch das Handelsbilanzdefizit Österreichs gegenüber China mit 3,5 Milliarden einen neuen Höchstwert erreichte.

In China vor Ort mit Fabriken vertreten sind heimische Firmen wie der Leiterplattenhersteller AT&S, der Faserproduzent Lenzing, Tiger Lacke und Haas Waffelmaschinen. Heuer investieren österreichische Unternehmen vor allem in die Erweiterung bestehender Standorte, so Andesner.