Bratislava. Ganz gleich welcher politischen Couleur, hat sich bisher jede slowakische Regierung ausdrücklich zur Kernenergie als wichtigster Energiequelle bekannt. Darüber wurden und werden erneuerbare Energien vernachlässigt, ihr Anteil am Energiemix der Slowakei macht zurzeit etwas mehr als sechs Prozent aus. Eine Sonderstellung hat allerdings Biomasse, die wegen des Waldreichtums als günstiger Energieträger gilt und deshalb vergleichsweise intensiv gefördert wird.

Die besondere Aufmerksamkeit für Biomasse hängt sicher auch mit dem Engagement von Ladislav Zidek zusammen, der 1999 den Verband Biomasa gründete. Vor kurzem wurde Zidek in Bratislava mit dem Energy Globe ausgezeichnet. Dieser Preis wird alljährlich von den Außenwirtschaftscentern der Wirtschaftskammer Österreich für Projekte vergeben, durch die eine nachhaltige Energienutzung befördert wird. Zidek habe mit dem Aufbau des Verbandes "einen starken, wettbewerbsfähigen Biomasse-Markt geschaffen und flächendeckend Bewusstseinsarbeit geleistet", so der österreichische Wirtschaftsdelegierte Patrick Sagmeister.

Tatsächlich ist die Bilanz beeindruckend. Längst ist der Verband Marktführer in der Versorgung der Slowaken mit Biomasse und deckt weit mehr als die Hälfte des inländischen Bedarfs, wichtigster Auslandsmarkt ist Italien. Inzwischen werden beispielsweise 60 Prozent aller Haushalte in der nordslowakischen Region Zilina-Trencin mit Wärme aus Biomasse versorgt.

Biomasse-Erzeugung belebt die lokale Wirtschaft

In der eher strukturschwachen, wenngleich an Eichen, Buchen und Linden reichen Gegend um Kysucky Lieskovec, wo Biomasa seinen Sitz hat, hat der Verband rund 100 Vollzeitarbeitsplätze geschaffen. Heute gehören ihm 25 gemeinnützige Institutionen an. Dazu zählen neben Städten auch Vereine, Schulen und Gesundheitszentren.

Biomasa betreibt bisher 44 Heizräume in öffentlichen Gebäuden, weitere 20 sind gerade im Entstehen. Damit trägt der Verband bislang dazu bei, den slowakischen CO2-Ausstoß jährlich um 20.000 Tonnen zu vermindern.

Darüber hinaus belebt Biomasa die lokale Wirtschaft. Viele Unternehmen sind Vertragspartner, was wiederum neue Märkte für Handel und Dienstleistungen im Bereich Erneuerbare Energien und Energieeffizienz schafft.

Zuletzt verbuchte Biomasa einen Jahresumsatz von 4 Millionen Euro. Die Projektkosten belaufen sich auf insgesamt rund 20 Millionen Euro, ein Viertel davon bestreitet der Verband über Fördergelder.

Findig war Zidek, von Haus aus Humangenetiker, schon immer. Anfang der neunziger Jahre wurde ihm bei einer Exkursion nach Österreich und Dänemark, bei der es vor allem um die Nutzung von Biomasse ging, bewusst, dass erneuerbare Energien auch eine große Chance für die slowakische Wirtschaft sein könnten.

Bis zur Gründung des Verbandes vergingen dann allerdings noch einige Jahre. "Wir haben uns bewusst Zeit gelassen, um ein wirklich nachhaltiges Konzept auszuarbeiten", erinnert sich Zidek. Dabei sei es ein Vorteil gewesen, dass er mit öffentlich-rechtlichen Einrichtungen zusammenarbeitete. "Wir mussten zunächst nicht auf den Profit schauen, sondern konnten wirklich in Ruhe darüber nachdenken, wie wir die Menschen ansprechen und zu einem Umdenken veranlassen", betont er.

"Bewusstseinswandel" ist für Zidek der Schlüssel zum langfristigen Umstieg auf regenerative Energien. Der Verband bietet daher auch Schulungen an. In den vergangenen zwölf Jahren haben tausende Schulkinder an Wettbewerben, Exkursionen und Biomasse-Sommercamps teilgenommen oder Pelletfabriken besichtigt.

www.biomasa.sk