New York. Die US-Ratingagentur Moody's hat 15 Großbanken schlechtere Bonitätsnoten verpasst. Europäische Bankaktien reagierten darauf nur mit geringfügigen Kursverlusten. Von der Herabstufung in Europa waren unter anderen Deutsche Bank, Credit Suisse, UBS, HSBC, Barclays, Royal Bank of Scotland, BNP Paribas, Credit Agricole und Societe Generale betroffen. In den USA traf es JPMorgan, Morgan Stanley, Citigroup, Bank of America, Goldman Sachs, in Kanada die Royal Bank of Canada. Die Bewertungen der Banken wurden um eine bis drei Stufen gesenkt, große Überraschungen gab es dabei nicht.

An der Börse haben die europäischen Bankaktien den Rundumschlag von Moody's gegen die Branche am Freitag großteils recht ungerührt weggesteckt. Die Aktien der Deutschen Bank, die zu den abgestraften Instituten gehört, verloren zuletzt 0,40 Prozent. Im Stoxx Europe 600 stieg der Subindex für die Banken um 0,40 Prozent und gehörte damit zu den besten Indizes in der europäischen Branchenübersicht. Die Branchenwerte zählten auch im moderat schwächeren EuroStoxx 50 zu den Favoriten der Anleger. Die Titel von Barclays  hielten sich mit minus 0,12 Prozent ebenso besser als der britische Leitindex FTSE 100 wie die 0,07 Prozent schwächeren Aktien von HSBC Holdings. Differenzierter fiel das Bild in der Schweiz aus: Während UBS nur um moderate 0,35 Prozent nachgaben, verloren Credit Suisse überdurchschnittliche 1,11 Prozent.

Börsianer hatten Schritt erwartet
Etliche Börsianer sahen in dem Schritt von Moody's keine Überraschung, was den begrenzten Kurseinfluss erkläre. Bei den europäischen Banken sei im Abstufungs-Zyklus der Boden langsam erreicht, schrieb Analyst Christian Muschick von Silvia Quandt Research. Dies sollte der Marktstimmung helfen. Da die Zukunft der Eurozone aber weiterhin sehr ungewiss sei, hält er es noch für zu früh, seine grundsätzliche Bewertung des Sektors zu ändern.

"Mit dieser Moody's-Entscheidung ist eine Art Endpunkt erreicht", glaubt auch Börsenbrief-Autor Hans Bernecker. Lediglich die Berechnungen der europäischen Bankenaufsicht für die Kapitallücken der Institute stünden noch aus. Die Diskussionen um die Nöte der Banken neigten sich immer weiter dem Ende zu.

Citigroup-Analyst Kinner Lakhani wies darauf hin, dass die Märkte insbesondere in turbulenten Zeiten dazu neigten, bei den Finanzierungskosten genauer auf die Kreditwürdigkeit zu schauen. Dies könne besser bewerteten Banken wie etwa HSBC einen Wettbewerbsvorteil verschaffen. Diese gehört ebenso wie Barclays und die französische Societe Generale zu seinen bevorzugten Branchentiteln. Mit am wenigsten kann der Experte dagegen der italienischen Intesa SanPaolo abgewinnen.