David de Rothschild (69) fungiert als Chairman der britisch-französischen Bankengruppe, zu der die auf Firmenübernahmen spezialisierte NM Rothschild & Sons in London sowie die Rothschild & Cie Banque in Paris zählen. Beide agieren seit 2003 unter einem Holdingdach namens Paris Orleans S.A., der Eric de Rothschild (71), ein Cousin von David, als Aufsichtsratsvorsitzender vorsteht. Die Gruppe, die nach der Verstaatlichung der früheren Banque Rothschild in der Ära Mitterrand an den Start ging, unterhält 58 Büros in 45 Staaten und hat rund 3000 Beschäftigte.

Die 1963 etablierte Edmond de Rothschild Group in Genf wiederum, auf Venture Capital, Private Banking und Assetmanagement spezialisiert, wird von Baron Benjamin de Rothschild geleitet. Sie ist an der Banque Privée Edmond de Rothschild S.A. oder der Compagnie Financière Saint-Honoré beteiligt, agiert mit 2700 Mitarbeitern in 17 Ländern und verwaltet 100 Milliarden Euro. Überdies besitzt dieser Zweig der Familie jede Menge Foundations, Hotel und Restaurants sowie landwirtschaftliche Güter. Das Privatvermögen des 49-jährigen Benjamin wurde vom Schweizer Magazin "Bilanz" auf zwei Milliarden Euro geschätzt, womit er unter den 50 reichsten Schweizern liegt.

Lord Jacob Rothschild (76), Chairman von RIT Capital Partners, gilt als die graue Eminenz: Er residiert im berühmten Londoner Spencer House, einem prachtvollen Aristo-Stadtpalast aus dem 18. Jahrhundert. Das Unternehmen kontrolliert er seit 1980 alleine, nachdem er sich mit dem Bankchef Evelyn Rothschild überworfen und das Finanzinstitut als Präsident verlassen hatte. Die RIT, an der seine Family rund 20 Prozent hält, konnte ihren Nettovermögenswert seither auf rund zwei Milliarden Pfund versechsfachen und überstand auch die Krise dank ihres breit gestreuten Investportfolios ziemlich unbeschadet. Zum Portfolio gehören etwa Beteiligungen am Bergbauimperium Rio Tinto sowie am US-Private-Equity-Riesen Blackstone, der den Ruf genießt, eine der wildesten US-Heuschrecken zu sein.

Jacob Rothschild gilt als steinreich, sein Vermögen kann nicht einmal "Forbes" schätzen. Der Lord kann entspannt in die Zukunft blicken: Sein 41-jähriger Sohn Nathaniel Philip - kurz "Nat" - ist rechtzeitig vom Playboy zum Businessman mutiert und steht als Nachfolger bereit. Der Junior hat auf eigene Faust spektakuläre Aktien-Coups durchgezogen und sich an der Zink- und Kupfer-Gruppe Glencore sowie am russischen Alukonzern Rusal von Oleg Deripaska beteiligt. Die "Sunday Times" traut ihm umgerechnet 1,3 Milliarden Euro Vermögen zu.

Zur Person: David Rockefeller Sr.
Geboren am 12. Juni 1915, verwitwet, 6 Kinder, 10 Enkel.
Nationalität: Amerikaner
Beruf: Banker & Polit-Berater
Karriere: 1946 bis 1981 Chase Manhattan Bank, anfangs Assistant Manager, zuletzt Chairman und CEO; Berater zahlreicher US-Präsidenten - von Eisenhower bis Clinton. Exzellenter Netzwerker mit Kontakten zu Kennedy, Kissinger oder Carter. Zahlreiche Funktionen in Non-Profit-Organisationen.
Familie: Großvater John D. Rockefeller (1839 bis 1937) war als Ölmagnat (Standard Oil) reichster Mann der Welt. Vater John Jr. wurde größter Immobilienbesitzer New Yorks.
Nach dem Tod seiner vier Brüder fungiert er als Familienoberhaupt und Boss des 1940 etablierten Rockefeller Brothers Fund sowie der 1967 gegründeten philanthropischen Institution Rockefeller Family Fund. 1989 wurde das Rockefeller Center New York an Mitsubishi Real Estate verkauft. 2002 erschien die Autobiographie "Memoirs". Sein Vermögen wird auf 2,5 Milliarden US-Dollar geschätzt. Der älteste Sohn David Jr. ist Chairman von Rockefeller Financial Services.

Zur Person: Jacob Rothschild
Geboren am 29. April 1936, verheiratet, 4 Kinder.
Nationalität: Brite
Beruf: Banker
Karriere: bis 1980 NM Rothschild & Sons, 1980 Gründung J Rothschild Assurance (jetzt St. James’s Place Bank), heute Chairman RIT Capital Partners und Chairman J Rothschild Capital Management.
Familie: Lord Rothschild folgt in siebenter Generation auf Mayer Amschel Rothschild, dem Begründer der Bankiers-Dynastie, der zehn Kinder hatte: Der älteste Sohn Amschel Mayer übernahm die Leitung des Frankfurter Bankhauses M. A. Rothschild & Söhne; dessen Bruder war Begründer der österreichischen Linie, die für die Creditanstalt stand; Nathan Mayer wanderte 1799 nach England aus, wo er die Bank N.M. Rothschild & Sons gründete; Jakob, der Jüngste, ging nach Paris und etablierte dort Rothschild Frères. Heute kontrollieren die diversen Familienzweige mehrere Finanzgruppen: etwa die Paris-Orléans SA., die in der Schweiz beheimatete Groupe LCF Rothschild sowie die RIT Capital Partners und die NM Rothschild & Sons Ltd. in London.