Wien. Der Senegalese Babacar Badiane hofft auf neue Ideen. Denn seine Organisation Interpenc befindet sich in einer Sackgasse. Die neue Regierung unter dem im März gewählten Macky Sall hat bis jetzt den Kontakt mit der NGO Interpenc aufs Notwendigste beschränkt. Und noch mehr: Die Regierung versucht nun ihrerseits, kleine, neue Einheiten im ländlichen Gebiet zu schaffen, um Entwicklungshilfe und Verwaltung zu koordinieren. Dabei, findet Badiane, ist das so ziemlich das Letzte, was das westafrikanische Land braucht: noch mehr Parallelstrukturen - wenn auch auf Ebene der Hilfsorganisationen.

Die Organisation von Badiane, Interpenc, wurde unter anderem gegründet, um dem Wildwuchs von Projekten, Organisationen und Kommissionen Einhalt zu bieten und Bestrebungen zur Entwicklung zu vereinheitlichen. Oder zumindest zusammenzufassen. Denn eine Zeit lang, vor allem zwischen 1981 und 2000, gründete speziell Elizabeth Diouf, Ehefrau des damaligen Präsidenten, Hilfsorganisationen und Projekte am laufenden Band. "Diese neuen Gruppen waren problematisch, weil sie sich einerseits nicht mit den wahren Bedürfnissen der lokalen Bevölkerung auseinandergesetzt haben. Zudem wurden sie einfach ungefragt über die Gemeinden gestülpt", meint Badiane.

Struktur für ruralen Raum

Die Bevölkerung hatte damit das Gefühl, keine Hilfestellung von diesen Gruppen zu bekommen, am Papier aber existierten unzählige Organisationen - und verstellten so den Blick auf die Bedürfnisse der Bevölkerung. Wie etwa Verwaltungsstrukturen und technisches Know-how, wie der Kampf gegen Erosion - überlebenswichtige Informationen in einem Staat, in dem die Dezentralisierung zu rasch vorangetrieben worden war und die ländliche Bevölkerung auf dem Territorium, das etwa die Hälfte von Deutschland ausmacht, zu rasch allein gelassen wurde. "Das Wort ‚Penc‘ bedeutet in der Landessprache Wolof ‚Baum, unter dem man zusammenkommt und diskutiert‘. Wir wollten den Senegalesen damit auch die Angst vor französischen Verwaltungsbegriffen nehmen. Und zusätzlich kann man sich so eher mit der Organisation identifizieren", erzählt Badiane im Gespräch mit der "Wiener Zeitung". Nun kümmert sich Penc in 10 von 366 ländlichen Gemeinden um insgesamt 250.000 Personen. "Wir wollen aber größer und institutionalisierter werden", erklärt Badiane. Er sieht die Existenz von Penc unter der neuen Regierung als nicht gesichert an. Deswegen ist Badiane zur Tagung der österreichischen NGO Horizont 3000, einer seiner Projektpartner, nach Wien gekommen, um von Gleichgesinnten zu lernen. Drei Tage lang findet unter dem Titel "Know-How3000" zum zweiten Mal eine internationale Konferenz von Horizont3000 statt. Heuer steht sie unter dem Motto "Promoting Human Rights - Empowering Civil Society". Insgesamt nehmen rund 100 Personen an der Konferenz teil, darunter 20 Projekt-Partner-Organisationen aus Nicaragua, El Salvador, Guatemala, Brasilien, Uganda, Kenia, Südafrika, Mosambik, Senegal, Papua Neuguinea. Montagabend kam es im Zuge der Konferenz noch zu Unterstützungserklärungen und Unterschriften für die Petition, die österreichische Entwicklungshilfe von derzeit rund 0,27 Prozent des Bruttonationaleinkommens (BNE) auf die mit der EU vereinbarten 0,7 Prozent des BIP zu heben. Neben den NGOs Horizont3000, Caritas, AG Globale Verantwortung gaben auch die entwicklungspolitischen Sprecher der ÖVP und der Grünen sowie eine Vertreterin der SPÖ mündliche Unterstützungserklärungen ab.