Wien/Neu-Delhi. (wak) Der Vodafone-Fall hat Indien bei Investoren nicht beliebt gemacht. Der Telekom-Riese Vodafone kaufte 2007 die Kontrollrechte des indischen Joint-Ventures von Hutchison. Die Transaktion wurde auf den Cayman Islands durchgeführt und war damals die größte Übernahme auf dem Telekom-Sektor mit 11,2 Milliarden US-Dollar. Indien wollte für die Übernahme Einkommensteuer sehen. Vodafone hingegen keine Einkommenssteuern zahlen. Das indische Höchstgericht entschied im Jänner dieses Jahres, dass Vodafone keine Steuern für die Übernahme zahlen muss. Die indische Regierung bastelte daraufhin im Mai an einem Gesetz, dass das Einkommensteuer-Gesetz - rückwirkend verändert.

Noch ist die Regelung nicht durch das Parlament, aber wenn das Gesetz in Kraft tritt, müsste Vodafone bis zu bis zu 3,8 Milliarden Dollar an Steuern nachzahlen. Sämtliche Vodafone-Manager geben sich in Indien die Klinke in die Hand, um die Regierung doch noch vom Gegenteil zu überzeugen. Anfang dieser Woche signalisierte die indische Regierung immerhin Bereitschaft, nur die Steuern - ohne Zinsen und Strafen - zu fordern. Eine Kleinigkeit von 2,6 Milliarden US-Dollar. Übrigens: Dass der inzwischen zu hundert Prozent privatisierte Telekom-Sektor in Indien ein heißes Pflaster ist, zeigt auch die Tatsache, dass im Herbst vergangenen Jahres der 86-jährige ehemalige Telekom-Minister zu einer fünfjährigen Haftstrafe verurteilt worden ist.

Jede Woche ein Stromausfall


Dabei sei es nicht so, dass der Staat unbedingt an billiges Geld herankommen müsse: "Die öffentlichen Budgets sind vorhanden", erklärt Hans-Jörg Hörtnagl, langjähriger Wirtschaftsdelegierter der WKO in Neu-Delhi. "Das wahre Problem ist die Projektimplementierung." Die Regierung - bestehend aus einer Koalition von 10 Parteien - komme nur langsam mit dem Ausbau von Infrastruktur voran. Zu langsam jedenfalls, um mit dem boomenden Wachstum der Volkswirtschaft Schritt zu halten. Produktionsstandorte leiden in Indien vier bis sechs Mal im Monat an Stromausfällen - das betrifft damit etwa die Hälfte der rund 120 österreichischen Unternehmen, die derzeit in Indien aktiv sind.

Der Vodafone-Fall sei zwar besonders extrem und habe zu einem gewaltigen Exodus an ausländischem Kapital geführt, aber die drittgrößte asiatische Volkswirtschaft galt schon bevor sie rückwirkend Gesetze erlassen hat als schwieriges Terrain. "Das sagen auch unsere heimischen Exporteure", erzählt Hörtnagl. Nach Indien exportieren sei nur sinnvoll, wenn man für den lokalen Markt produziert.

Der oberösterreichische Konzern Lenzing will zum Beispiel ein Viskose-Faserwerk (Investment: 159 Millionen Euro) nach der Monsun-Periode errichten.

Doch auch eine Reihe anderer namhafter Austro-Unternehmen engagiert sich in dem Land: Der Motorradhersteller KTM produziert mit einem Partner in Indien die "Duke 125" und die "Duke 200". Diese Motorräder haben aber weniger Features als ihre europäischen Counterparts - denn man könne sie nicht für den gleichwertigen Preis in Indien verkaufen. In dem Staat mit 1,2 Milliarden Einwohnern verfügen laut Hörtnagl maximal 30 Millionen Personen über eine Kaufkraft, die mit jener der österreichischen Mittelschicht vergleichbar wäre.