Eisschmelze auf dem Wiener Karlsplatz. - © (c) Greenpeace/Georg Mayer
Eisschmelze auf dem Wiener Karlsplatz. - © (c) Greenpeace/Georg Mayer

Wien. (wak) Der Nordpol gehört eigentlich niemandem. Die Eisschollen in der Mitte der Arktis bestehen nur aus gefrorenem Meer. Anders der Südpol, dessen Pol aus Landmasse besteht. Nur an den Rändern der Arktis existieren die Eisschollen auf Land. Und diese Landmassen gehören fünf Ländern: Grönland, Kanada, USA, Russland und Norwegen. Grönland hat elf Lizenzen für Bohrungen an seiner Westküste vergeben. Einer der Lizenzinhaber, Royal Dutch Shell, wollte nun am 14. Juli anfangen, nach Öl und Gas zu bohren, um das selbst für arktische Verhältnisse milde Wetter auszunutzen. Denn die Eisschollen lassen vorher niemanden hinein. Doch noch hat das Mineralöl-Unternehmen nicht angefangen zu bohren, weil das Eis überraschenderweise bisher zu stark für Mitte Juli ist.

Dass Royal Dutch Shell seine Pläne überhaupt ad acta legt, will wiederum die internationale Umweltschutzorganisation Greenpeace. Jetzt im Juli, wenn die Eisdecke ausdünnt, setzt Greenpeace weltweit konzertierte Aktionen, um die Welt darauf aufmerksam zu machen, dass die arktische Region einer der Hauptbetroffenen des Klimawandels ist. Auch wenn derzeit das Eis noch zu dick für Shell ist. Mittel- und langfristig bilden sich die Eisschollen zurück. Am Wochenende besetzte etwa Greenpeace Deutschland einige Shell-Tankstellen. Zwei Boote von Greenpeace lauern in der Arktis, um dem weltweiten Netz mitteilen zu können, was im - doch nicht ewigen - Eis passiert.

Mahnwache am Karlsplatz

In Wien stellt Greenpeace Österreich am Wiener Karlsplatz zu Wochenbeginn eine drei Meter hohe Eisskulptur auf - die dort neben der Karlskirche symbolisch abschmelzen wird - und zwar solange das Eis hält, beziehungsweise der Bär noch erkennbar ist. Rund um den Eiskoloss gibt es eine Petition zum Schutz der Arktis, eine Mahnwache und einen Flashmob. Montag und Dienstag Abend wird die Kino-unter-Sternen-Leinwand am Karlsplatz genutzt, um den neuen Werbespot von Greenpeace zu zeigen, der einen Eisbären ziellos und einsam wie einen herrenlosen Hund durch die Londoner City wandern zeigt. Untermalt werden die Bilder von der Musik von der eben nicht als fröhlich geltenden Band Radiohead.

Aber nicht nur Ölkonzerne werfen begehrliche Augen auf das arktische Meer, auch die großen Fischtrawler schwimmen immer weiter in Richtung Nordpol, um dort Fischschwärme zu jagen.

"Wir wollen, dass die Arktis zum Schutzgebiet erklärt wird", erklärt Karin Scholz von Greenpeace Österreich. Nur so, unter einem Mandat der UNO, könnte man diesen einzigartigen Lebensraum schützen. Die Ereignisse im Golf von Mexiko haben gezeigt, dass immer etwas schiefgehen kann. Doch wenn in der Arktis Öl ausläuft, "wäre es noch katastrophaler als im Golf von Mexiko", meint Scholz: Aufgrund der klimatischen Bedingungen könnte man das Öl gar nicht wegräumen, sondern es würde sich unter den Eisschichten festsetzen. Auch natürliche Abbauprozesse werden durch die Temperaturen verhindert.

www.schuetztdiearktis.at