Glencore-Zentrale in Baar, im Schweizer Kanton Zug. - © APAweb/ EPA/URS FLUEELER
Glencore-Zentrale in Baar, im Schweizer Kanton Zug. - © APAweb/ EPA/URS FLUEELER

Wien. Das größte Unternehmen der Schweiz sitzt im überaus steuerfreundlichen Zug, und nur die wenigsten haben von ihm gehört: Glencore. Das Unternehmen handelt mit nahezu allen Rohstoffen. Es ist nahezu 60 Milliarden Dollar wert, und ging 2011 in London und Hongkong an die Börse. Etwas mehr als die Hälfte des weltweit handelbaren Zinks und Kupfers gehen über Glencore. Ein Drittel der Kohle, die auf den Meeren herumschippert, wird von Glencore gesteuert. Der Konzern ist der weltgrößte unabhängige Ölhändler. Und er ist einer der größten Getreide-Exporteure und kaufte jüngst um fünf Milliarden Euro den kanadisch-australischen Getreide-Handelskonzern Viterra - Raps, Hartweizen und Hafer stehen nun auch auf dem Speisezettel von Glencore.

Die größte Erwerbung, der Minen-Konzern Xstrata, könnte den knallharten Händlern durch die Lappen gehen. "Mit Xstrata würde Glencore von der Sahara bis Südafrika fast alles gehören", sagt ein Analyst. Doch nun ist darum eine Übernahmeschlacht entstanden, weil der Staatsfonds von Katar 12 Prozent an Xstrata erworben hat und von Glencore eine Nachbesserung des Angebots verlangt. Glencore-Chef Ivan Glasenberg, ein Südafrikaner und Glencore-Großaktionär, sagt nun, dass dies nicht in Frage komme. Die Welt ginge nicht unter, wenn die Fusion nicht klappte. Ein Poker im Wert von 30 Milliarden Dollar.

(Grafik zum Vergrößern bitte anklicken.)
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Doch die Rohstoffhändler sind harte Bandagen gewohnt. Der für Agrar-Rohstoffhandel zuständige Glencore-Direktor Mahoney sagte bei der Präsentation der Halbjahreszahlen, dass die "Dürre in den USA gute Geschäftsmöglichkeiten für Glencore bietet", vor allem nach dem Kauf von Viterra. Organisationen wie Oxfam heulten ob dieses Zynismus laut auf.

Rohstoffgeschäfte mit korrupten Diktaturen


Die Glencore-Handelsmanager, die durch den Börsegang entweder zu Milliardären oder wenigstens zu Multimillionären wurden, wird das vermutlich wenig kratzen, sie sind anderes gewohnt. Über ein Netzwerk von Agenten machen sie Geschäfte mit Regierungen in rohstoffreichen Ländern. Die bestehen allerdings zu einem großen Teil aus rücksichtslosen und korrupten Diktaturen. Das Magazin "Foreign Policy" listet Beispiele aus Ländern wie den Russland, Kasachstan, Rumänien, dem Kongo, Sambia, Äquatorial-Guinea und Elfenbeinküste auf. Überall dort kauft Glencore Rohstoffe in Minen, Ölförderanlagen und Industriekonzernen auf. Die Mittelsmänner erledigen dabei das "Drecksgeschäft". Als "herausfordernde politische Verhältnisse" umschreibt die Deutsche Bank euphemistisch solche Regime und den Umgang mit ihnen.

Glencore weist alle Vorwürfe zurück und spricht gerne von den sozialen Projekten, die der Konzern in Afrika unterstützt.

"Wir sind alles Banditen hier", beschreibt es ein Händler, der ungenannt bleiben will, in "Foreign Policy" - mit Zigarre auf der Terrasse eines Genfer Nobelrestaurants. Die Schweiz wurde zum Anziehungspunkt für große Rohstoffhandelskonzerne. Deren Umsatz übersteigt bereits die gesamte Schweizer Wirtschaftsleistung.

Die Schweiz als beliebter Sitz für Rohstoffkonzerne


Nicht nur Glencore, das vom (auch in Österreich) berühmt-berüchtigten Händler und Investor Marc Rich gegründet wurde, sitzt in der Schweiz, sondern auch deren Alter Ego Xstrata (Glencore hält 35 Prozent). Cargill ebenso wie Mercuria (Energie). Trafigura überholte Nestlé ebenfalls umsatzmäßig. Die Ölhändler Vitol und Gunvor haben Sitze in Genf. Gunvor gehört zum russischen Oligarchen Gennady Timchenko. Glencore ist mit 10 Prozent an Oleg Deripaskas Rusal (Aluminium) beteiligt.

Die Konzentration von Rohstoffkonzernen in der Schweiz hat die USA mehr als misstrauischer gemacht, und auch die Schweizer Politik ist schon hellhörig geworden. In Bern will man Erfahrungen wie mit den Banken nicht noch einmal machen. Bei den USA dürfte das nicht klappen. Die Rohstoffhändler machen - ebenfalls über Umwege - Geschäfte mit Embargo-Ländern wie dem Iran. Die US-Regierung erhöhte deshalb zuletzt den Druck auf die Schweizer Regierung.

Für die Rohstoffkonzerne hat die Schweiz mehrere Vorteile: Bankgeheimnis, niedrige Steuern, hoher Lebensstandard - und kein EU-Mitglied. Während also die EU versucht, die Rohstoffgeschäfte transparenter zu machen, bietet die Schweiz Konzernen wie Glencore gute Bedingungen, um ihre Verschwiegenheit zu pflegen.