Rom/Wien. Die Nahrungsmittelpreise bleiben weiter hoch: Im August verharrte der Preisindex der UN-Organisation für Ernährung und Landwirtschaft (FAO) bei 213 Punkten. Zuvor hatte der Index im Juli um sechs Prozent zugelegt - Hauptgrund war die Dürre in den USA, die der weltgrößte Getreideexporteur sind. Der Index misst die monatlichen Preisveränderungen von Getreide, Ölen und Fetten, Fleisch, Milchprodukten und Zucker.

FAO-Generaldirektor José Graziano da Silva bezeichnete die Entwicklung als "beruhigend": "Auch wenn wir wachsam bleiben sollten, so rechtfertigen es die derzeitigen Preise nicht, von einer Welternährungskrise zu sprechen." Die internationale Gemeinschaft könne und solle jedoch handeln, "um die Märkte weiter zu beruhigen".

Die geringen Getreideernten in wichtigen Anbauländern wie Russland, Kasachstan und der Ukraine können allerdings den Verbrauch 2012/2013 nicht decken, wodurch die globalen Getreidelager stärker geleert werden müssen als bisher angenommen. Zudem wird - auch in Österreich - mit steigenden Preisen für Brot und Gebäck sowie Fleisch, Milch und Eier gerechnet, wenn Futtergetreide in Folge von Missernten teurer wird.

Der FAO-Preisindex liegt zwar derzeit 25 Punkte unter dem Höchstwert von Februar 2011, dennoch herrscht Besorgnis: "Wir müssen dringend handeln, um sicherzustellen, dass diese Preisschocks sich nicht in eine Katastrophe verwandeln, die einigen zehn Millionen Menschen über die kommenden Monate schadet", warnten die Chefs von FAO, International Fund for Agricultural Development und UN World Food Programme diese Woche. Dazu gehöre, Panikkäufe zu vermeiden und von Exportbeschränkungen Abstand zu nehmen.

"Müssen mit Verknappung und Verteuerung rechnen"

"In 25 bis 30 Jahren wird es neun Milliarden Erdbewohner geben, und die werden für zwölf Milliarden Menschen essen", sagte Hermann Bürstmayr von der Universität für Bodenkultur (Boku) in Wien bei einer Podiumsdiskussion am Mittwochabend. "Die Herausforderung ist, auf vorhandener Fläche effizienter Nahrungsmittel herzustellen - unter Berücksichtigung der Bodenfruchtbarkeit." Die Ernten müssten jedes Jahr um 1,3 bis 1,5 Prozent mehr Ertrag liefern, um die steigende Nachfrage decken zu können. Allerdings schmälere der Klimawandel mit Trockenheit und Hitzewellen die Erntemenge.

Arme und Einwohner in importabhängigen Ländern sind am stärksten durch Rohstoffpreissteigerungen verwundbar, weil diese den Großteil ihres Einkommens für Essen ausgeben. In Entwicklungsländern gebe es aber großes Potenzial, die lokale Agrarproduktion zu verbessern, heißt es von der FAO.

"Wir müssen mit einer Verknappung und Verteuerung von Lebensmitteln rechnen. Wir in Österreich werden das verkraften können, Menschen in anderen Ländern wie in Indien aber viel schlechter", sagt Bürstmayr. Das könnte zur verstärkten Migration oder zu Bürgerkriegen führen.