Tokio. (hdt/reu/dpa) "Ich entschuldige mich für all die Probleme, die ich verursacht habe, die volle Verantwortung liegt bei mir": Im Prozess um den milliardenschweren Finanzskandal beim japanischen Elektronikkonzern Olympus hat der ehemalige Vorstandschef Tsuyoshi Kikukawa sich bei der ersten Anhörung vor einem Tokioter Gericht der Bilanzfälschung schuldig bekannt, auch zwei weitere ehemalige Top-Manager des 93 Jahre alten japanischen Traditionsunternehmens bekannten sich schuldig. Es drohe ihnen nun bis zu zehn Jahre Haft. Insidern zufolge steht unterdessen der seit längerer Zeit verhandelte Einstieg des japanischen Elektronikriesen Sony beim krisengeschüttelten Kamera- und Medizintechnikhersteller Olympus nun unmittelbar bevor.

Die Olympus-Konzernführung hatte Anfang November 2011 zugegeben, seit den 90er-Jahren in der Bilanz Verluste von umgerechnet rund 1,3 Milliarden Euro verheimlicht zu haben. Vertuscht wurden die Verluste mit Hilfe undurchsichtiger Beraterhonorare und Abschreibungen.

Ins Rollen gebracht hatte den Skandal der damalige Olympus-Chef, der Brite Michael Woodford. Er hatte eine Untersuchung der dubiosen Zahlungen gefordert - und war daraufhin prompt gefeuert worden. Erst Monate später wurden Kikukawa, sein Vize Hisashi Mori und der Rechnungsprüfer Hideo Yamada verhaftet und schließlich angeklagt.

Beim Neuanfang nach dem Bilanzskandal rutschte Olympus noch tiefer in die Krise: Per Ende Juni wurde - bei sinkenden Umsätzen - ein verdreifachter Netto-Quartalsverlust von 4,46 Milliarden Yen (46,2 Millionen Euro) gemeldet. Als Gründe wurden Verluste im Kamerageschäft genannt, vor allem aber der starke Yen-Kurs, der japanische Produkte im Ausland verteuerte. Für das Gesamtjahr - bis März 2013 - hielt man die Prognose eines Nettogewinns zwar noch aufrecht, es müssten dafür aber 2700 Arbeitsplätze abgebaut werden. Auch brauche man bis dahin dringend eine Finanzspritze - die Eigenkapitalquote betrug Juni nur mehr 2,2 Prozent, nachdem es drei Monate zuvor noch 4,6 Prozent waren. Als gesunde Finanzausstattung gilt unter Analysten die Marke von 20 Prozent.

Um die Bilanz in Ordnung zu bringen, führte Olympus Gespräche mit FujiFilm Holdings, Sony und dem Medizin-Technik-Konzern Terumo. Letzterer überraschte dann aber mit einer Klage gegen Olympus, weil die Firma vor der Unterzeichnung eines Partnerschaftsvertrages den Bilanzbetrug verschwiegen hatte.

Sony will 10-Prozent-Anteil

Ende August hatte Olympus schließlich sein Mobilfunkgeschäft um rund 53 Milliarden Euro an einen japanischen Investmentfonds verkauft und angekündigt, sich auch von allen anderen Sparten außerhalb des Kerngeschäfts mit Kameras, Mikro- und Endoskopen trennen zu wollen.

Schon in dieser Woche dürfte nun Sony mit umgerechnet einer halben Milliarde Euro bei Olympus einsteigen, berichtet Reuters unter Berufung auf Insider. Damit würde Sony einen Anteil von rund zehn Prozent erwerben und größter Aktionär werden.

Sony selbst will sich aus dem Verlust bringenden Fernsehgeschäft zurückziehen. Die anhaltende Schwäche im Geschäft mit Unterhaltungselektronik brockte Sony jetzt eine Herabstufung der Langfrist-Bonität durch die Ratingagentur Standard & Poor’s ein - damit wird es für Sony teurer, sich für den Zukauf Geld zu leihen.