Wien. Es gibt wieder einmal Wirbel um Facebook. Das soziale Netzwerk hat vor kurzem alte Pinnwandeinträge als Timeline-Postings wiederveröffentlicht. Viele Mitglieder vermuteten unter den Einträgen private Nachrichten, die nun der Öffentlichkeit zugängig gemacht wurden. Nervös wurde die Nachricht Anfang der Woche im Internet verbreitet. Auch internationale Medien wie "Le Monde" griffen das Thema auf. Facebook hat den Vorwurf bestritten. Ein Sprecher des Konzerns bestätigte gegenüber Josh Constine, Facebook-Experte vom Tech-Blog Tech Crunch, jede Beschwerde zurückverfolgt und kontrolliert zu haben. Der Verdacht, wonach private Nachrichten veröffentlicht wurden, konnte nicht bestätigt werden. "Es besteht Verwirrung, weil es vor 2009 keine Like- und Kommentarfunktion bei Pinnwandeinträgen gab. Die Leute haben gegenseitig auf den Pinnwänden hin und her gepostet, statt Konversationen (in Form von Kommentaren unter einem Eintrag) zu führen."

Auch Max Schrems, Gründer der Initiative "Europe versus Facebook", glaubt dem Sprecher des sozialen Netzwerkes in dieser Hinsicht: "In diesem Fall glaube ich Facebook. Wir haben auch Fälle überprüft und die vermeintlichen Nachrichten nicht im Posteingang gefunden. Es gab keine Übereinstimmung." Kalt lässt Schrems der Fall jedoch nicht: "Die große Aufregung zeigt, dass die Leute eigentlich keine Ahnung davon haben, was sich alles auf ihrem Profil befindet und was mit den Informationen passiert."

Unangekündigte Änderungen auf Facebook sind nichts Neues. Reformierungen wie die Timeline werden den Usern aufgezwängt. Könnten solche unklugen Schachzüge zu einem Mitgliederschwund führen? "Die Leute sind eh schon relativ angefressen", meint Schrems. Das Problem ist der Monopolbetrieb des Konzerns - Facebook hat die Kontrolle. Löscht man sein Profil, verliert man all seine Facebook-Freunde. "Es braucht eine Monopolbereinigung. Es sollte die Möglichkeit geben, zu einem anderen Netzwerk, wie studiVZ, zu wechseln und trotzdem mit den Facebook-Freunden in Kontakt zu bleiben", wünscht sich Schrems. Eine reine Datenportabilität, also etwa das "Mitnehmen" von Fotos auf andere Plattformen, reiche nicht. In Schrems’ Gesprächen mit Politikern ist das Verständnis für diese Problematik groß, es fehlt jedoch der Druck. "Die Leute verstehen das Problem, aber es gehört breit diskutiert", sagt Schrems. Bis dahin bleibt den Usern die Möglichkeit, das Profil zu löschen oder einfach weniger zu nutzen. "Die Aktivität auf Facebook geht zurück. Die Leute posten viel weniger als früher. Langsam geht dem Konzern die Luft aus", meint Schrems. Gerade Smartphones, die als enorme technische Errungenschaft gelten, bereiten Facebook Probleme. Denn die Dauernutzer steigen häufig oder sogar großteils auf ihrem Smartphone in das Netzwerk ein. Auf den Handys ist aber keine Werbung sichtbar. "Außerdem wird die personifizierte Werbung viel zu sehr gehyped", sagt Schrems.

Aufpassen sollten die Facebook-Nutzer, wenn sie Applikationen anwenden. "Verwendet man eine Applikation, gibt man seine, aber auch die Daten aller Freunde weiter. Umgekehrt ist das genauso. Verwendet ein Freund eine Applikation, bekommen die auch meine Daten", so Schrems. Bei den privaten Einstellungen kann diese Funktion ganz abgestellt werden.