Nokia-Chef Stephen Elop (re.) bekennt: Es gibt schwierige Momente mit Microsoft (hier im Bild: Microsoft-CEO Steve Ballmer). - © APAweb/AP/Diane Bondareff
Nokia-Chef Stephen Elop (re.) bekennt: Es gibt schwierige Momente mit Microsoft (hier im Bild: Microsoft-CEO Steve Ballmer). - © APAweb/AP/Diane Bondareff

Helsinki. Nokia muss angesichts des rigiden Sparkurses offenbar zu drastischen Maßnahmen greifen: Wie der finnische Handykonzern mitteilt, soll das Hauptquartier in Espoo möglicherweise verkauft werden. "Wir prüfen verschiedene Optionen für Bereiche, die nicht zum Kerngeschäft gehören, wie beispielsweise Immobilien", sagt Nokia-Sprecherin Maija Taimi. Aufhorchen lässt indes auch Nokia-Chef Stephen Elop: In einem Gespräch mit dem Tech-Blog All Things D räumt er ein, dass die Markteinführung der ersten Generation der hauseigenen Windows Phone-Smartphones enttäuschend verlaufen sei - und dass die Zusammenarbeit mit Windows-Hersteller Microsoft nicht immer ganz einfach ist.

"Beim Marktstart der ersten Lumia-Geräte hätte ich gerne besser abgeschnitten", sagt Elop gegenüber All Things Digital. Konkret hätten die ersten, Windows Phone-basierten Smartphones der Lumia-Reihe sich nicht stark genug von anderen Windows-Phone-Produkten der Konkurrenz unterschieden. Zudem habe man den Handel gerade in Europa flächendeckend bedient, ohne genug Aufmerksamkeit auf die Bedürfnisse von Anbietern oder Regionen zu legen.

Für Elop steht dennoch fest, dass die Entscheidung für Windows eine gute war, an der man auch festhalten werde. Die Produkte wären grundsolide, eine Entscheidung für Android hätte Nokia nicht den nötigen Spielraum verschafft, um sich von der Konkurrenz abzuheben.

Schwierige Zusammenarbeit
Obwohl Elop davon überzeugt ist, dass Nokia künftig gute Geschäfte mit Smartphones auf Windows-Basis machen werde, sei die Zusammenarbeit mit Microsoft nicht immer ganz einfach. Die grundsätzliche Verpflichtung füreinander, "das Bekenntnis Nokias zu Windows Phone und dafür, die beste Arbeit für sie zuleisten, aber auch ihr Bekenntnis, gut mit uns zusammenzuarbeiten" würde zwar funktionieren. Gleichzeitig aber würde es durchaus unterschiedliche Ansichten bei Nokia und Microsoft geben. "Wir haben schwierige Momente", sagt Elop, "aber wir bekommen die Dinge auf die Reihe."

Bis Nokia mit den Windows-Smartphones am Markt reüssiert, gilt es allerdings, harte Zeiten zu überstehen. Der steigende Finanzdruck auf den ehemaligen Weltmarktführer veranlasst Nokia nun sogar zu Überlegungen, die Firmenzentrale im finnischen Espoo zu veräußern. Laut der Zeitung "Iltasanomat" wäre der an der Ostsee gelegene Glas- und Stahlbau rund 200 bis 300 Millionen Euro wert. Ein Verkauf könnte demnach kurzfristige Erleichterung für die angeschlagenen Finanzen bringen.

Frischzellenkur für Meego
Die mit der Entscheidung für Microsoft-Betriebssysteme ins Abseits gedrängte Smartphone-Plattform Meego, einst von Nokia und Intel ins Leben gerufen, ist übrigens noch nicht gestorben. Wie das Wall Street Journal berichtet, sollen ehemalige Nokia-Entwickler Meego einer Frischzellenkur unterziehen, um im November unter dem Codenamen Sailfish in neuem Gewand auf einem Einsteiger-Handy zu präsentieren. Das Start-Up Jolla, das rund um den frühreren Nokia-Mitarbeiter Jussi Hurmola aufgebaut wurde, dürfte das neue Meego bis spätestens 2013 zur Marktreife bringen.