Unternehmen und Regierungen ringen offenbar um die letzte Chance für die Mega-Fusion des Luft-und Raumfahrtkonzerns EADS mit dem britischen Rüstungskonzern BAE Systems. - © APAweb/Francois Mori/AP/dapd
Unternehmen und Regierungen ringen offenbar um die letzte Chance für die Mega-Fusion des Luft-und Raumfahrtkonzerns EADS mit dem britischen Rüstungskonzern BAE Systems. - © APAweb/Francois Mori/AP/dapd

Birmingham/Berlin. Unternehmen und Regierungen ringen offenbar um die letzte Chance für die Mega-Fusion des Luft-und Raumfahrtkonzerns EADS mit dem britischen Rüstungskonzern BAE Systems. "Wir brauchen auf der Regierungsseite einen greifbaren Fortschritt, der die konkrete Hoffnung begründet, dass man zu einer Einigung kommen kann", hieß es in EADS-Firmenkreisen am Montag mit Blick auf eine mögliche Fristverlängerung für das Fusionsbegehren über den 10. Oktober hinaus.

Verhandlungsnahen Kreisen zufolge ist dies aber nur sinnvoll, wenn zumindest in Grundsatzfragen Einigkeit besteht. Großbritanniens Verteidigungsminister machte wenig Hoffnung: "Ehrlich gesagt, gehe ich nicht davon aus, dass es irgendeine Chance gibt, dass bis Mittwoch eine Vereinbarung steht", sagte Philip Hammond der BBC.

Großbritannien fordert weniger Frankreich
Großbritannien könne allenfalls eine Beteiligung Frankreichs im einstelligen prozentualen Bereich akzeptieren, um dem Fusionsvorhaben seinen Segen geben zu können, erläuterte Hammond. Die deutsche Bundesregierung gab sich weiter zurückhaltend, machte aber immerhin deutlich, dass der Gesprächsfaden zwischen den Regierungen noch nicht endgültig abgerissen ist. Wegen des Streits zwischen Frankreich, Großbritannien und Deutschland unter anderem über die Höhe der Staatsanteile am neuen Konzern waren die Verhandlungen in eine Sackgasse geraten. Nach britischem Recht müssen die beiden fusionswilligen Unternehmen jedoch bis Mittwoch 18.00 Uhr (MESZ) darlegen, ob sie ihren Plan weiterverfolgen. Ohne Einverständnis der Politik droht das Vorhaben zu platzen.

"Unsere Position ist, dass sie (die Franzosen) eine signifikante Rückführung ihres Anteils vornehmen müssen", sagte Hammond. Derzeit hält der französische Staat 15 Prozent an EADS, was neun Prozent am neuen Unternehmen ergäbe. Sollte Frankreich noch das Aktienpaket des französischen Medienunternehmens Lagardere dazu kaufen, käme das Land im neuen Konzern auf 13,5 Prozent.

Deutschland hat immer wieder betont, sich auch bei der Beteiligung am neuen Unternehmen auf einer Augenhöhe mit Frankreich wiederfinden zu wollen. Hielte Deutschland ebenfalls 13,5 Prozent, kämen die beiden Nachbarländer zusammen auf eine Sperrminorität und könnten das Unternehmen maßgeblich beeinflussen. Für diesen Fall will die britische Regierung wie bereits angekündigt, ihr Veto einlegen - die Fusion wäre gescheitert.

Die deutsche Bundesregierung ließ sich nicht in die Karten schauen. "Es hat diese Gespräche gegeben in mehreren Runden, und ich kann Ihnen jetzt nicht sagen, ob es heute morgen weitere gibt", sagte Regierungssprecher Steffen Seibert am Montag. Es gelte nach wie vor, dass die Bundesregierung "mit großer Sorgfalt" die relevanten Fragen mit Unternehmen wie Regierungen erörtere. "Wir sind während der ganzen Zeit aus gutem Grund vorsichtig gewesen", räumte Seibert ein. Von einem Scheitern aber wollte er auch auf Nachfrage nicht sprechen.

Im Raum steht auch noch die deutsche Forderung, dass der Sitz eines wichtigen Konzernteils wie beispielsweise das Hauptquartier in Deutschland sein sollte. Derzeit gelten als Sitze der neuen Gesellschaft Toulouse für den Flugzeugbau und London für die Verteidigungstechnik als gesetzt.

Mit der Fusion würde das weltweit größte Unternehmen der Luft-, Raumfahrt- und Verteidigungstechnik entstehen. EADS verfügt in Deutschland über 29 Standorte mit fast 50.000 Beschäftigten. Im Falle eines Zusammenschlusses mit BAE Systems entstünde ein Branchenprimus mit einem Umsatz von rund 72 Mrd. Euro und weltweit gut 220.000 Beschäftigten.