Investments in Schiffe aller Art sind hochriskant. - © Gary Blakeley - Fotolia
Investments in Schiffe aller Art sind hochriskant. - © Gary Blakeley - Fotolia

Wien/Korneuburg. In Deutschland bangen laut "Handelsblatt" etwa 275.000 Zeichner von Anteilen an geschlossenen Schifffahrtsfonds um ihr Investment. Denn die Krise in der Schifffahrt verschärft sich weiter. Die Charterraten sind derart tief gesunken, dass der Schiffsbetrieb fast nicht finanziert und die Kredite nicht zurückgezahlt werden können. Kürzlich musste die Fonds-Treuhänder HCI den Öltanker MS HR Majesty in die Insolvenz schicken, doch das ist kein Einzelfall. Schiffsfonds gelten unter Anlegerschützern als sprichwörtlich "todsicher".

Das niederösterreichische Landwirte-Ehepaar Helga und Leopold M. hat 2005/06 rund 64.000 Euro in den HCI-Schiffsfonds "MS ,Jula S‘ H+H Schepers Reederei GmbH & Co KG" investiert, den es über die Volksbank Donau-Weinland erworben hat. Ein damaliger Kundenbetreuer soll ihnen das "Spezialprodukt" ans Herz gelegt haben, das acht Prozent Ausschüttung pro Jahr vorsah. Das Paar hatte zuvor laut seinem Anwalt keinerlei Informationen über oder Erfahrungen mit einem solchen Produkt. Bereits 2007 wurden nicht einmal vier Prozent ausgeschüttet, 2008 gingen die Anleger leer aus. Insgesamt flossen zweimal 7200 Euro an das Paar, weniger als die Hälfte der beworbenen Ausschüttungshöhe.

Im März 2012 wurden die Anleger von HCI über die angespannte Liquiditätslage des Fonds informiert. Sie klagten ihre Hausbank auf Rückabwicklung des Investments. "Nach gegenwärtigem Stand ist ungewiss, ob die Kläger je wieder zu ihren Ersparnissen kommen werden", heißt es in der Klage aus der Feder von Anwalt Jörg Zarbl (Kanzlei Kraft & Winternitz). Der Bank wird vorgeworfen, bei der Beratung das Totalverlustrisiko "geflissentlich verschwiegen" zu haben. "Die Kläger wurden nicht aufgeklärt, sondern bereits zum Zeitpunkt der Zeichnung in die Irre geführt, und das Risiko wurde grob verharmlost", heißt es darin weiter. Auch soll unerwähnt geblieben sein, dass nur 70 Prozent der Anlegergelder investiert werden und der Rest von Gründungskosten und Bereederungsgebühren verschlungen wird.

Für die Volksbank Donau-Weinland, vertreten von Anwalt Ulrich Walter (Kanzlei Neumayer, Walter & Haslinger), sind die Vorwürfe aus der Luft gegriffen. Laut Klagebeantwortung soll das Ehepaar selbst "den Vorschlag zur Veranlagung in Schiffsfonds" gemacht haben.

Neben Anlegerprofilen soll das Paar insgesamt fünf Unterschriften auf Bankunterlagen geleistet haben - in diesem soll auch "ein möglicher Totalverlust des eingesetzten Kapitals angeführt" sein.

"Die Darstellungen, dass dieses Produkt als Sparform mit einem Sparbuch vergleichbar verkauft wurde, ist daher vollkommen verfehlt", heißt es weiter. "Ebenso verfehlt ist die Behauptung, dass es Zinsen gebe und die Schiffsfonds eine todsichere Veranlagung mit Ertrag darstellen." Anwalt Walter beantragte die Abweisung der Klage. Nun ist das Landesgericht Korneuburg am Zug.